31. Oktober bis 16. November 1998
Nachtdienst Ende. Micha holte mich ab und heim ging es. Daheim wurden die Rucksäcke gepackt. Meine Aufregung wuchs von Stunde zu Stunde. Aufgekratzt fuhren wir zum Pasinger Bahnhof und mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof München. Schnell noch ein Frühstück und ab gehts zum Flughafen. Uah, es kribbelte sogar bei Micha, als wir das erste Flugzeug sahen.
Erst gings nach London. In London mußten wir umsteigen in den Jumbo. Dabei sahen wir vom Bus aus noch ein Feuerwerk über London. Wahrscheinlich weil es Halloween war.
Im Jumbo drehten wir eine "Ehrenrunde" und durften wegen eines technischen Problems nicht fliegen. Die Turbinen brummelten eigenartig. Zwei Stunden lang warteten wir im Flugzeug, bis es endlich los ging. Nach dem Abendessen durfte ich schlafen. Und konnte es auch für ca. 4 Stunden.
In Kuala Lumpur, Malaysia, war Zwischenstopp. Das meiste war geschafft, und um ca. 1900 kamen wir in Jakarte, der Hauptstadt Indonesiens, an. Die Hitze empfing uns. Am Schalter, wo mein erster Stempel in meinen nigelnagelneuen Reisepaß kam (ebenso bei Micha), sprachen uns die Backpacker Tanja und Sabine an, ob wir nicht zusammen ein Taxi nehmen wollen. Gesagt, getan. Nach ewigem Handeln mit ca. 4 Taxifahrern fand Sabine einen, der doch tatsächlich für 25.000 Rp fahren wollte. Die anderen blieben bei 50.000. Nun, eine heitere Linksverkehr-Taxifahrt folgte. Bis - ja bis der Taxifahrer das Wechselgeld von 50.000 Rp einbehielt. Diskussionen folgten und wir waren bei 40.000 Rp. Beließen es dabei.
Unsere Weiterfahrt am nächsten Tag sollte nach Pangandaran führen. Züge in diese Richtung fuhren vom Gambir Station, und so statteten wir diesen Bahnhof einen Besuch ab, um Preise und Abfahrtszeiten zu prüfen. Wir sollten morgens eine Stunde vor Abfahrt da sein zum Ticket kaufen. Nun fehlte uns noch eine Unterkunft für die heranrückende Nacht. Es war schon 2030 Uhr. Nach "Beschauung" gingen wir ins dritte oder vierte Hotel. Naja, Hotel ist vielleicht zuviel gesagt. Aber es war ok für 25.000 Rp + Frühstück. Da wir noch eine lange Hose und Sandalen brauchten, gingen wir los, die laut Claudia an jeder Straßenecke vorhandenen Verkaufsstände zu suchen - doch nix da. Gar nix. Wir gönnten uns noch einen Fruit Juice für 3.000 Rp (40 Ct). Mmmh lecker.
Dann fielen uns die Augen zu und gegen Mitternacht verabschiedeten wir uns von den beiden, die beschlossen, auch frühmorgens (730) mit uns loszutuckern. Um 400 plärrte uns ein Tonband-Muezzin die Ohren voll. Kein Wunder, am nächsten Morgen sahen wir, daß die Moschee gleich nebenan war.
So, nun darf Micha den schwarzen Tag aufschreiben. Hallo Micha! Tell me why we don't like mondays?!!
Eigentlich fing der Tag ganz gut an. Die Sonne schien und es war schön warm. Die beiden Mädels, Claudia und ich liefen zum Bahnhof Gambir und kauften die Tickets für die Bahnfahrt ins 200 Kilometer entfernte Bandung, "Executif"-Klasse, für 32.000 Rp (etwa 4 €). Um 730 rollte der Zug los, mit musikalischer Untermalung durch den Rhythmus der Schienen-Stoßstellen. Wir verließen Jakarta, vorbei an weiten Reisfeldern kamen wir den Bergen näher, eine imposante Landschaft in saftigem Dschungelgrün mit milchkaffeebraunen Bächen.
Nach einer dreistündigen Fahrt erreichten wir Bandung. Sabine und Tanja wollten gleich weiter nach Pangandaran, wir dagegen noch die Landschaft um Bandung erkunden. Claudia mußte noch Schecks einlösen, also klapperten wir einige Banken ab. Unterwegs sahen wir, daß die Stadt wirklich häßlich war, die Fußgängerbrücke über die Gleise rostzerfressen und bestimmt einsturzgefährdet. Uns sprach ein Einheimischer an und zeigte uns den Weg zu einer Bank, welche Schecks annahm. Da er uns unbedingt eine Tour in die Umgebung verkaufen wollte, wich er uns nicht mehr von der Seite. Sogar die halbe Stunde, die wir in der Bank auf unser Geld warten mußten, war er in unserer Nähe. Er gab erst auf, als wir ihm deutlich "Bye" gesagt haben.
Und dann begann der Horrortag.
Denn an der nächsten Kreuzung zerrten drei oder vier Asiaten wie wild an meinem linken Hosenbein. Mit der Ahnung, daß die irgendwas von mir wollten, riß ich mich los - und schwupps - waren sie weg. Und mit ihnen ca. 80 € in Rupien, meine Kreditkarte und der Schlüssel für mein Auto, das so einsam am Pasinger Bahnhof stand. Was tun? Frankfurt anrufen und Karte sperren lassen. Doch woher die Telefonnummer? Also auf zur nächsten Bank. Nach irgendwelchen Klärungsversuchen gaben sie uns eine Telefonnummer irgendeiner Auskunft und zeigten uns ein öffentliches Telefon vor dem Gebäude. Aber wie telefonieren ohne Telefonkarte? Also wieder rein in die Bank, wo wir gleich eine Karte kaufen konnten. Und wieder zum Telefon. Doch stets war nach den ersten vier Ziffern belegt. Nach etlichen Versuchen beschlossen wir, erst zur Polisi zu gehen, welche etwa 500m von hier war. Und prompt fing es wie in Regenwaldmanier zu gießen an. Bei der Polizei das gleiche Spiel. Erklären, was passiert war. Ob die uns überhaupt richtig verstanden haben? Wir durften telefonieren.
1. Versuch: eine Auskunft. Die gaben uns eine Nummer einer anderen Auskunft.
2. Versuch. Die gaben uns wieder eine andere Nummer. Irgendeine 0800er Nummer. Nun durften wir nicht mehr telefonieren - zwei kostenlose Telefonate seien schließlich genug. Der Polizist zeigte uns draußen einen öffentlichen Fernsprecher. Und es goß! Da die 0800er belegt war, wie zuvor auch, wollte ich die deutsche Auskunft anrufen. Nach der zweiten Null der internationalen Vorwahl war jedoch Schluß. Geht nicht. Zurück zur Polizei und wieder Erklärungen. Schließlich rieten sie uns, mit einem Taxi zur Telekom zu fahren.
Bei der Telekom angekommen, zeigten die uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffentliche Telefone, von wo aus man nach Deutschland telefonieren könne. Tja, man konnte nicht! Verarschen die uns hier? Wieder zurück über die vielbefahrene Straße, deren Kanalisation die Wassermassen nicht mehr auffangen konnte. Entsprechend naß wie ein frisch begossener Pudel fragten wir in der Telekom nochmal, aber diesmal eine andere Dame, welche den Weg zu Fernsprechern im Büro wies. Endlich, es hat geklappt. Ein Telefon, das funktionierte. 00149-89-11833 - "Kein Anschluß unter dieser Nummer".
Der Zeitunterschied nach Deutschland war sechs Stunden, doch mittlerweile war ein Anruf bei meiner Mutter vertretbar. Sie sollte das für mich erledigen. Die Kartensperrung dauerte noch eine Weile, und anschließend wollten wir nur noch raus aus dieser Stadt! Da der nächste Executif-Zug erst am nächsten Tag fuhr, der nächste Bisnis-Zug (2. Klasse) erst um 1700, es aber gerade mal halb zwei war, nahmen wir den Economy-Zug. War zwar billig (ca. 1 €), aber brechend voll. Die freundlichen, an den Türen hängenden Indonesier zogen uns an Bord und drückten uns in die Gänge.
Vor uns lag eine fast sechsstündige Fahrt in einem überfüllten Zug. Und wir hatten, wie denn sonst, einen Stehplatz. Ständig drückten sich Händler an uns vorbei, die in Schüsseln, Körben, Tüten oder sonstigen Behältnissen irgendwelche Sachen zum Essen, Trinken, Lesen oder Spielen an die Fahrgäste verscherbeln wollten. Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt ergatterten wir einen Sitzplatz. Wir wurden beide immer müder und hofften auf eine streßfreie Fahrt nach Pangandaran. Hofften.
In Banjar, es war inzwischen 1900 und dunkel, stiegen wir aus und ließen uns die 3km bis zum Busbahnhof in einer Rikscha fahren. Dort angekommen, wollte uns einer in seinem Privatwagen für 70.000 Rp dorthin bringen. Da uns das zu teuer erschien und er nicht auf 40.000 Rp runter wollte, erkundigte ich mich auf den Fahrplänen nach Alternativen. Ein Bus um 1920 für 1.800 Rp. Da konnte Udi, so hieß er, nicht mithalten. Da um 1925 der Bus noch nicht da war, kam er wieder, diesmal mit nem anderen Typ in Uniform. Beide beschworen uns, der Bus käme nicht. Doch gerade bog er ein. Diese Heuchler!
Wir nahmen im Bus Platz und hofften, daß dieser bald losfuhr. Auch Udi stieg ein und meinte, der Bus fährt nicht bis Pangandaran. Wir blieben stur, denn schließlich stand das Ziel außen am Bus. Da er vermutlich den Busfahrer auf seine Seite brachte und auch dieser sagte, der Bus fahre nicht so weit, ließen wir uns völlig entmutigt und hilflos auf eine Fahrt ein: Für 40.000 Rp, aber bitte bis vor unser Hotel. Kaum waren wir ausgestiegen, fuhr der Bus schon los. Die haben was gegen uns.... Entgegen den Abmachungen sollten wir schließlich die Einfahrt in den Ort selbst berappen. 20.000 Rp, eine Art "Kurtaxe" oder Parklizenz. Nach einer weiteren Diskussion fügten wir uns den hier scheinbar üblichen Geschäftspraktiken. Wir waren völlig am Ende mit einem Gefühl, als hätte sich die Welt gegen uns verschworen.
Der Hotelier stellte uns Kaffee, Tee und heißes Wasser vor die Tür. Es gab also doch noch nette Menschen. Mit einer Dusche und einem guten Bier ging dieser Tag zu Ende, ein wahrer Horrortag.
Heute hieß es ausspannen. Wir schliefen bis 940 Uhr. Ich mußte in der Nacht 2x auf's Klo wegen angehender Blasenbeschwerden, aber sonst schlief ich durch.
Nun wird gegessen. Mmmh, gut. Also zurück. Nach dem langen Schlaf gings Frühstücken. Dann sofort zum Strand. Nach ca. 10 Minuten planschen holte uns eine Angestellte des Sandaan Hotels aus dem Wasser. Die Strömung war zu gefährlich. Schade. Wir sollten entweder weiter links oder an den Pool. Na, da mußten wir nicht lange überlegen. Wir liefen. Dort angekommen, waren die Wellen zwar nicht so hoch, aber die Strömung auch noch unendlich stark. Ein bißerl unheimlich war es schon, sich so fest in den Sand einzukrallen und doch leicht abzukommen.
Nach ca. 1,5 Stunden Kampf gingen wir einfach mal die Richtung weiter. Wir kamen an so eine Art Zaun und dahinter war eine Bucht, die ausgeschwemmt war. Als wir ca. die Hälfte überquert hatten, machte mich Micha auf Affen aufmerksam, die schon auf uns zu lauern schienen. Denn schwupps rannte eine ganze Familie aus dem Dschungel, um uns unerschrocken entgegenzutreten. Wir waren aber gar nicht so unerschrocken und traten unseren Rückzug an. Da ein paar Einheimische vor Ort waren, beobachteten wir, wie sie bzw. die Affen reagierten. Einer von den Indonesiern mußte das beobachtet haben und meinte gleich, daß sie "friendly" waren. Naja, es hätte ja auch anders sein können. Daß sie ihr Revier verteidigen wollten. Also waren es freundliche "Bachaffen".
Langsam beendeten wir unsere Strandwanderung und als wir fast an unserem Hotel waren, siehe da, wen trafen wir?
Nein, Sabine und Tanja. Die wollten eine Dschungeltour machen und forderten uns auf, mitzugehen. Wir wollten aber lieber relaxen, also verabredeten wir uns bei schönem bzw. Nicht-Regen-Wetter an einer Kreuzung. Wir sind dann zurück zum Pool, der ein bißchen Gesellschaft brauchte, da er ganz einsam da lag. Zu guter Letzt kauften wir ein (Sarong + Hose) und sahen uns Pangandaran an. Unterwegs holten wir uns Ansichtskarten, welche wir auch gleich schrieben. Dann Abendessen und noch einen Juice in der Nähe geschlürft, um dann schlafen zu gehen. Rundum zufrieden.
PS: Micha entdeckte die Jagdleidenschaft auf Minikrabben.
PS: Es regnete bis ca. 2015 in Strömen - kein Treffen.
Es strömte morgens weiter. Beim Frühstück beschlossen wir mit Bonsai Rambo, daß wir nicht die Green Canyon Tour (wegen Sonnenbrand Micha und Übelkeit ich) machen, sondern die Dschungel-Tour. Um 1000 gings los Richtung Strand und nachdem wir Futter für die Monkeys besorgten, trafen wir Rambo am Eingang des Nationalparks. Das erste Stück war ok und gut zu laufen.
Zuerst sahen wir die Höhle, wo wir fliegende Hunde aufscheuchten und die Tropfsteine bewunderten. Ein Tropfstein sah aus wie ein Mann in einer eindeutigen Situation. Dann kletterten wir raus und es dauerte nicht lange, da lockte Bonsai Rambo viele graue Monkeys an. Teilweise Mütter mit Babys. Die nahmen uns ganz sanft mit ihren weichen Fingern die Erdnüsse aus der Hand. Micha darf weiter erzählen...
Es ging weiter in eine andere Höhle, welche länger und dunkler war als die erste. Wir sollten die Taschenlampe ausmachen und standen nun völlig im Dunkeln. Rambo knisterte mit der Erdnußtüte, und nach kurzer Zeit knipste er das Licht wieder an. Vor uns, unter einem Felsvorsprung wurden unsere Erdnüsse genüßlich von zwei Stachelschweinen aufgezehrt.
Die Tour ging weiter durch sumpfige Waldgebiete mit hoher Moskitobevölkerungsdichte, vorbei an Teakholz, Ratan und Mahagonibäumen sowie irgendwelchen mammutbaumähnlichen Gehölzen.
Wir sahen einen blauen Riesenschmetterling und einheimische Hirschkühe. Während der ganzen Tour nahm der Regen immer mehr zu, so daß der Boden immer matschiger und rutschiger wurde. Für Rambo war es wohl kein Problem, durch das dichte Gebüsch zu kriechen mit seinen 1,60 m.
Eine Zeit lang folgten wir einem Bach flußabwärts, der, je weiter wir gingen, immer mehr Wasser führte. Da irgendwann wohl jeder auf den glitschigen Steinen ausrutschte und besonders Claudia des öfteren bis zu den Knien im Wasser stand, war es uns schon ziemlich egal, wie naß oder schmutzig wir waren. Schließlich kamen wir ans Ende des Baches, und es eröffnete sich uns ein sagenhafter Blick über den aufgewühlten Ozean. Wir schwammen noch durch einen kurzen, aber recht tiefen Gumpen und standen dann direkt am Abgrund, zu unseren Füßen ergoß sich ein Wasserfall ca. 50 m hinunter ins Meer. Ein Foto haben wir leider nicht, weil alles so naß war und wir den Fotoapparat nicht rausholen wollten.
Nach einer kurzen Pause gings weiter. Über Stock und über Stein, oder eher durch Matsch und Pfützen wanderten wir zurück Richtung Pangandaran. Auf dem Weg dorthin drückte mir Rambo einen fetten, vielleicht 15 cm langen Tausendfüßler in die Hand, der allerdings nur bei Nacht giftig sein soll. Wir trafen noch auf schwarze Affen, welche zwar neugierig, aber recht scheu waren und sich von Baum zu Baum hangelten, sowie auf die bereits erwähnten Beach-Monkeys.
Nach dieser vierstündigen Dschungel-Tour, bei der ich natürlich meine erst gestern erstandene Hose zerriß, waren wir recht müde und ruhten erst mal aus. Anschließend spielten wir noch Mensch-ärgere-Dich-nicht, bei dem sich Claudia geärgert hat, das Gänsespiel, wo ich sie gewinnen ließ, Mühle, was sie jetzt nicht mehr mag, und Kniffel, welches sie trotzdem noch mag. Da Claudia ein bißchen Fieber quält und mein Nacken immer noch brennt, liegen wir heute Abend schon früh flach und hoffen, daß die Green-Canyon-Tour morgen klappen wird. Claudia: Ich sah ganz am Anfang einen Leguan. Bätsch, Micha nur den Schwanz.
Endlich, früh morgens scheinte die Sonne! Mein Fieber war weg und Micha gings auch wieder ein bißle besser. Um 930 brachen wir mit einem Motorrad auf, da es billiger war als mit dem Auto und wir es auch lustiger fanden. Über Stock, Stein und Schlamm ging es zu einer Zuckerherstellung, die aus dem süßen Saft der Kokospalmenblüte eine Art Karamel herstellte. So schmeckte es auch. Micha versuchte, auf die Kokospalme raufzuklettern, aber nach 1,5m war seine Klettertour zu Ende.
Nach einer weiteren Abenteuerfahrt über Höfe, Schlaglöcher und fast überfahrenen Hennen (gell, Mofarocker!) gings zum Puppenmacher. Soooo schön, aber etwas teuer und untransportabel das ganze. Leider. Ich verliebte mich gleich in das Spiel und die Puppen. Oh, die wären in meiner "Asien"-Ecke gut. Naja, weiter gehts zum Krupuk-Macher. Das Krupuk war neonrosa und Micha versuchte sich auch in dessen Herstellung. Nun ja, Micha, mit ein wenig Übung wird's scho!!
Dann waren wir am Green Canyon. Mit dem Boot gings zur Höhle, die ich gar nicht als solche erkannte. Als letzte (und für mich schönste) Etappe gings zum Beach. Wellenreiten war angesagt. Schön... wie im Urlaub. Zurück donnerten wir über eine Bambusbrücke. Ala Indiana Jones wie Bonsai Rambo meinte. Es war traumhaft schön und abenteuerlich, so daß wir nach den 5,5 Stunden Action für 15 €, 110.000 Rp und 10.000 Rp Trinkgeld nur noch ausspannten. Morgen gehts ab 530 weiter nach Yogyakarta.
Gegen 630 Uhr wurden wir gleich in einen Bus verfrachtet. Mit mindestens 100 x halten, weil Einheimische keine 10 m laufen können, gings nach Banjar. Dort waren wir doch schon kurz nach 900 Uhr, so daß wir beschlossen hatten, zu laufen. Das konnten die fußfaulen Indonesier erst recht nicht verstehen und lachten uns aus. Am Bahnhof mußten wir bis 1100 Uhr warten, wurden aber gut von Einheimischen unterhalten. Ein Student war ganz fasziniert von Micha, der ihn wiederum mit dem Kauderwelsch Indonesisch nicht verstand. Nun denn, unser Business-Class-Train fuhr ein und der Student verpflichtete sich, uns bis 1500 Uhr weiter zu unterhalten. Dem entzogen wir uns aber erfolgreich durch getarntes Schlafen. Da die Zugtüren nach indonesischer Art offen standen, gelangen uns hoffentlich ein paar gute Schnappschüsse.
In Yogya angekommen, das übliche: geifernde Mengen als Schwarm hinter uns: "Taxiii, Hotel..." und dazu unser Student, der übrigens Micha's Adresse sein eigen nennt. Nun, den schüttelten wir ab, um dann in ein 10.000 Rp Absteigezimmer zu kommen, welches vielleicht noch in Südosteuropa als Gefängniszelle durchgehen würde. Noch ein "handmade"-Bild erstanden (soll Chris + Helgas Wohnung schmücken) und für morgen Borobudur gebucht. Im Restaurant Bladok super gegessen. (Was heute, 7.11., unser 60.000 Rp - Domizil ist. Schön sauber hier.)
Heute gings morgens um 430 Uhr raus aus dem Bett, duschen, dann hieß es auf den Bus warten, der uns zum Borobudur-Tempel und zum Dieng-Plateau bringen sollte. Der kam natürlich ne halbe Stunde zu spät. Am Borobudur angekommen, trafen wir als erstes - auf wen wohl? - Tanja und Sabine, welche anschließend auf den Mt. Merapi steigen wollten. Der Tempel selbst ist ein recht großes Bauwerk, auf welchen in Form von hunderten Reliefs die Geschichte Buddhas erzählt wird. Doch erst das ganze Drumherum, die Lage im Tal, mit Nebelschwaden überzogener Urwald, an die 3000 m hohe Vulkane, deren Gipfel leider in den Wolken steckten und die frühmorgendliche Stille machte den Besuch zum Erlebnis.
Anschließend gings weiter Richtung Dieng-Plateau über zumeist sehr schlechte Straßen mit vielen tiefen Schlaglöchern (daß Autos sowas aushalten können?), scharfen Kurven und vor allem Steigungen, die ohne Anlauf kaum zu überwinden wären. Dementsprechend blaß war Claudia...
Auf dem Plateau sahen wir die Hindu-Tempel, welche doch kleiner waren als zunächst vorgestellt, sowie nach faulen Eiern riechende Schwefelquellen, welche so vor sich hin dampften und brodelten und blubberten. Dann gings weiter zu einem Kratersee, welcher an verschiedenen Stellen verschiedene Farben hatte. Leider begann es dann wolkenbruchartig zu regnen, so daß wir trotz Regenjacke durchnäßt zum Bus zurückkamen. Zurück in Yogya überließen wir dem Selekta-Hotel 10.000 Rp für eine Übernachtung, obwohl der Typ von der "Rezeption" (eher ne Bruchbude) 15.000 Rp wollte, da wir nicht schon um 1200 Uhr ausgecheckt haben. Dafür sind wir jetzt im Bladok-Hotel und lassen es uns gut gehen, oder?
Heute haben wir erst mal ausgeschlafen, uns ein langes Frühstück gegönnt und sind in die Malioboro Street gegangen, um für Claudia Hustentabletten zu kaufen. Wir erkundigten uns nach einem Flug von Jakarta nach Medan, welcher 1,1 Mio Rp kostet, also ca. 150 €. Zu teuer für uns. Die Fähre käme auf 350.000 Rp, etwa 40 €, dauert aber zwei Tage; so beschlossen wir, nicht nach Sumatra zu gehen, sondern unseren Urlaub in Java fortzusetzen. Die neue Reiseroute lautet jetzt: Mit dem Bus nach Malang, Mt. Bromo, Semarang und an der Nordküste zurück nach Jakarta. So können wir uns bessere Hotels leisten und es bleibt auch noch was für Mitbringsel übrig.
Noch schnell 200 €gewechselt (=1,8 Mio Rp), dann zurück ins Hotel und noch ein bißchen im Pool planschen.
Um 1400 holte uns der Bus zum Prambanan-Tempel, eine Hindu-Tempelanlage mit mehreren großen und kleinen Türmen, in welchen Shiva (der Elefanten-Mensch), seine Frauen, sein Reittier und sonstige Fabelwesen verehrt wurden. Rings um diese Anlage war ein großer Park, wo eben eine große Vogelauktion oder eine Preisverleihung zu Ende ging.
Weiter nördlich waren nochmals zwei Tempelanlagen, die aber bei keinem Interesse zu wecken schienen und deshalb fast menschenleer waren, was Claudia ganz recht war. Danach gings durch Mengen von "Kruscht"-Händlern - "Hello Mister, hello Miss, you want? Where you come from?" - zurück zum Bus, welcher uns zu einer groß angelegten Aussichtsplattform brachte, was aber den verhältnismäßig hohen Preis - 20.000 Rp - auch nicht gerade rechtfertigte.
Durch der dichten indonesischen Verkehr quälend brachte uns der Bus zum Hotel zurück, wo wir uns nach einer Bergtour auf den Mt. Merapi erkundigten. Doch leider sei dies zur Zeit zu gefährlich, da dieser aktive Vulkan demnächst ausbrechen könne. Waren die sonderbaren Wolkenformationen am Gipfel also Rauchschwaden? Den Tag beendeten wir mit einer gar nicht indonesischen Pizza und einem für Claudia wohl sehr lustigen Mau-Mau-Spiel...
Heute kamen wir schier nicht aus dem Bett. Grade noch rechtzeitig zum Frühstück und ab gings in Richtung Sultanspalast (noch zu Fuß!). Die erste Hälfte vom Palast war recht uninteressant, kostete auch nur 1.000 Rp. Dann, nach Abwimmeln von "Führern", gings zum 2. Teil, der etwas teurer und auch schöner war. Ein erstes Gamelan Musikstück konnten wir belauschen und nach aufgehängten, finster dreinblickenden Sultanen und Sultaninen gings zu ausgestellten Alltagsgegenständen wie u.a. Socken und Geschirr. So, nun wußten wir, wie der Mr. mit seinen 15 Frauen lebte = strong man!!
Die Hitze und Faulheit stieg und stieg. Mir wurden meine Beine immer schwerer und bevor wir uns noch verliefen, handelten wir einen Rikscha-Fahrer auf 5.000 Rp für Fahrt zum Waterkastell und zurück zum Hotel herunter. Er fuhr uns ca. 50 m den Weg zurück, wo wir herkamen (hätten nur geradeaus gemußt) und sofort hatten wir einen Führer. Was auch gut war. Alles war versteckt. Zuerst wurden Gebetsräume gezeigt, dann der Swimmingpool + Schlafzimmer. Der Sultan hatte nämlich wie gesagt 15 Frauen und konnte sich eine aus dem Frauenbecken aussuchen. Zeiten waren das!! Zurück zum Hotel mußten wir nicht mehr schwitzen (höchstens Angstschweiß wegen der abenteuerlichen Rikscha-Fahrt). Nun planschen wir im Pool, relaxen und geben später Geld aus. Die Händler rufen - wir kommen.
Hier macht das Einkaufen richtig Spaß! Wir ergatterten dank unserer inzwischen verfeinerten Feilschkünste zwei Hosen, ein Hemd und ein paar Sandalen für 65.000 Rp, also etwa 7 €. Eigentlich müßte man sich mit Klamotten eindecken, doch ist die Qualität der Kleidung nicht unbedingt mit der unsrigen vergleichbar.
Heute wurden wir um halb neun vom Hotel Bladok abgeholt, wo wir für die drei Übernachtungen noch 180.000 Rp zurückließen (20 € für 3 ÜN, mit Pool und Zimmerservice!!). Die Fahrt in einem Minibus ging bis Malang, wo wir um halb sieben am Hotel Helios abgesetzt wurden. Für diese 330 km lange Fahrt benötigten wir also 10 Stunden! Vielleicht wären wir ja mit ner Rikscha schneller gewesen. Dafür hat das ganze nur 30.000 Rp gekostet, etwa 3,50 €. Da mich nun natürlich der Hunger gequält hat, gingen wir in ein "Restaurant" ein paar Straßen weiter.
Ich fragte nur, ob sie Chicken hätten und wartete darauf, daß ich bestellen durfte. Das Etablissement glich eher einer Imbißbude. Plötzlich wurden schüsselweise irgendwelche undefinierbaren Fleischspeisen aufgetischt, und der Kellner wollte gleich gar nicht mehr aufhören. Etwa ein Dutzend verschiedene Speisen zierten unseren Tisch. Da ich in einer Schüssel Huhn erkannte, nahm ich dies zu meinem Teller. - bockscharf!!
So aß ich nur den Reis und bezahlte dafür und für zwei Colas 10.000 Rp, und als wir das Lokal verließen, lachten die Einheimischen recht amüsiert und laut. Die wollten gar nicht unser kleines Trinkgeld annehmen. Jaaa, sowas kann auch passieren. Man staune.
Nach kurzem Duschen bezahlten wir unser Nachtquartier, fuhren mit einem städtischen Minibus zum Busbahnhof "Arjosari" und verließen mit nem Reisebus Malang Richtung Probolinggo. Die Einheimischen waren merklich hilfsbereiter als in den anderen Städten, doch wird uns das mindestens eine halbe Stunde dauernde, nächtliche (es war halb vier!) islamische Stoßgebet, welches wohl in allen Ecken der Stadt laut zu hören war und von den Einheimischen laut singend erwidert wurde, eher negativ in Erinnerung bleiben.
In Probolinggo wurden wir urplötzlich fast rausgeworfen und in ein Tourist-Office gezerrt, wo wir gleich 2 x 40.000 Rp zurückließen für die Fahrt zum Mt. Bromo und 2 x 85.000 Rp für die Fahrt mit dem VIP-Bus von Probolinggo nach Semarang. Am Mt. Bromo bezahlten wir noch für 2 Nächte 100.000 und nochmal 40.000 für die Jeep-Tour zum Kraterrand. Mit knapp 400.000 Rp, etwa 45 €, war heute also ein sehr teurer Tag.
Wir spazierten noch am Rand oberhalb des Sandmeeres und genossen die Sonnenstrahlen und die beeindruckende Sicht auf den rauchenden Bromo und einen anderen rauchenden Vulkan dahinter. Mal sehen, wie es weitergeht.
Naja, in den Kraterrand sahen wir nicht, da ich am Abend das Gefühl hatte, zu sterben. Zumindest meine rechte Niere. Am liebsten wäre ich daheim gewesen. Micha organisierte mit einem wirklich hilfsbereiten Indonesier die vorzeitige Taxifahrt um 700 Uhr und VIP-Busfahrt. Am Morgen gings mir so lala und mußte keinen Arzt aufsuchen, nur eine Apotheke. Unten beim "Reisebüro" angekommen, wurden wir darauf vorbereitet, daß wir für die Fahrt um 920 Uhr 40.000 Rp mehr zahlen müßten.
Soviel Halsabschneiderei, nun ja, wir wollten weg und sagten zu. Da eröffnete er uns, daß er grad den Bus weitergeschickt hatte. Was nun?? Es war 830 Uhr und um 1200 Uhr fuhr unser heißersehnter Bus. Also mit dem Bemo ("Bustaxi") in die Stadt. Eine Apotheke suchen. Die wußte nix mit Schmerzzäpfchen anzufangen, also zurück. Unterwegs trafen wir auf eine Demo. Unheimlich. Schnell rein zum amerikanisch angehauchten Donutstand und warten. Gegen 1030 Uhr waren wir am Touribüro und wieder warten in sengender Hitze. Da kam unser "VIP"-Bus!!! Ein stinknormaler Bus. Und für den haben wir die Wucherpreise geblecht??!! Auf Fragen ging unser Großverdiener erst gar nicht ein. Was solls, bringt eh nix. Uns stand eine Mörderfahrt von 1200 Uhr bis 2400 Uhr bevor. Jaja, in 8 Stunden in Semarang. Haha.
In Semarang checkten wir ins Queenshotel ein für 98.000 Rp - aber schön wars, den Dreck abzuwaschen.
Eigentlich wollten wir per Zug nach Cirebon, der fuhr aber nur noch um 2000 Uhr. Also wieder Bus. Am Bahnhof zerrten die uns gleich in ein Office und uns wurde eine "gehobene" Klasse für je 35.000 Rp abgeknöpft. Im Bus sahen wir wieder so einen dreckigen 08/15 Bus, für höchstens 5.000 Rp. Sch...!!! Langsam nervte es. Sind wir Geldscheißer??
Das Beste war, der Bus kriechte und nach 4 Stunden Fahrt wurden wir rausgeworfen. Nicht in Cirebon, sondern in Tegal. Anschluß in 2 Stunden!! GRRRR!!! Irgendwann reichte es. und das Irgendwann war da. Mich regten die Javanesen auf mit dem ewigen Geglotze, Gekichere und Gefrage. Auf dem Klo (sofern man es so bezeichnen darf) wurde ich empfangen und angemacht. Toll wars. Im Bus gings diesmal schneller bis um 1830 Uhr nach Cirebon.
Ab zum Bahnhof und dabei das Gefühl, daß irgendwas nicht in Ordnung war, da uns wieder Demonstranten begegneten. Am Bahnhof Tickets für 550 Uhr morgens geholt und ein Hotel gefunden. Dort sahen wir die Bescherung im Fernsehen. Krawalle, Demos, Verletzte und Tote. In Jakarta, wo wir morgen hin müssen. Na Bravo. Morgen melden wir uns erst mal in Deutschland, daß alles ok ist.
Aber ganz superfein Essen waren wir. Richtig angenehm nach all dem Chaos.
Der Zug nach Jakarta fuhr um 550 los. Nach den halsbrecherischen Busfahrten war die 3-stündige Zugfahrt richtig angenehm. Mit Spannung und Sorge, was uns wohl in Jakarta erwartet nach den gestrigen beängstigenden Bildern im Fernsehen, stiegen wir am Gambir Bahnhof aus.
Inzwischen ist uns die Lust an diesem Urlaub vergangen wegen dieser Bescheißerei und den Krawallen hier, daß wir beschlossen hatten, umzubuchen und eine Woche eher nach Hause zu fliegen, denn wir waren urlaubsreif! Das nächste Taxi geschnappt, von 60.000 auf 35.000 runtergehandelt und ab zum Flughafen. Als ob uns das Schicksal nicht schon genug gestreßt hat, fuhr der Taxifahrer einen Motorradfahrer um, ein Wunder, daß dem nichts passiert ist, er stand gleich wieder auf.
Das Umbuchen kostete pro Person 130 €, doch wollten sie Rupiah und berechneten einen Kurs von 9800 Rp/€ anstatt der üblichen 7000 Rp/€. Claudia bekam für ihre Schecks sogar nur 9800 Rp/US$ (220 €), ich 7400 Rp/€ (170 €). Eine echte Sauerei!! Alles Mafiosi!! Obwohl die Mafiosi-Dame eine Angestellte der British Airways war! Naja, jetzt warten wir noch 30 Stunden auf den Flug, dann nichts wie weg! Während dieser 30 Stunden erfuhren wir, dass Demonstranten sämtliche Zufahrtswege zum Flughafen gesperrt hatten, in Indonesien begann es, politisch zu brodeln. Zum Glück waren wir auf der "sicheren" Seite!
I will wieder hoam.. Dumdumdd.. fühl mi hier so alla.. I will hoam nach Germany.. Dumdu..
FAZIT:
Im Nachhinein gesehen war es wohl ein besonders abenteuerlicher Urlaub, an den
wir gerne zurückdenken und unsere Erlebnisse weitererzählen. Daß
man in solchen Ländern als Tourist überall ein bisschen mehr bezahlt
als Einheimische, ist wohl verständlich und auch akzeptabel (aber muß
es denn gleich stellenweise der Faktor 10 sein??).