FlaggeReisebericht Namibia

07. Mai bis 05. Juni 2001



1. Tag, Montag, 07. Mai: Anreise

Unser Flug mit der LTU ging um 21:15 Uhr. Also fuhren wir etwa um 16:00 los, da wir Christian und Helga in München besuchen wollten, die uns dann freundlicherweise zum Flughafen fuhren. Unser Gepäck, welches aus Rucksäcken und Schlafsäcken bestand, stopften wir vorher noch in "Kartoffelsäcke", damit beim Verladen nichts verloren ging.

Nachdem wir alles hinter uns gebracht hatten, saßen wir an unserem Gate und starrten erwartungsvoll auf die Flugzielanzeige, wo da stand "Windhuk". Wow! Sechs Jahre, nachdem ich das erste Mal davon träumte, nach Namibia zu kommen, haben wir es gewagt. Trotz den Informationen aus der Reiseliteratur mitsamt Bildern hat man das Gefühl, daß man gar nicht weiß, was einen erwartet, wenn man das erste Mal nach Afrika fliegt. Lassen wir uns überraschen.

Unsere Reiseroute


2. Tag, Dienstag, 08. Mai: Windhuk

Der Flug selbst war unkompliziert und dauerte etwa 10 Stunden. Aufgrund der Zeitverschiebung war es allerdings erst sechs Uhr morgens, als wir in Windhuk landeten. Wir stiegen aus dem Flieger aus und blinzelten in die Sonne, die gerade aufging. Herrlich blauer Himmel begrüßte uns, und im Westen war der Vollmond dabei, sich zu verabschieden. Allerdings war es doch etwas frisch, und so marschierten wir über das Rollfeld ins Flughafengebäude, welches im Vergleich zum Münchner eher wie eine Turnhalle wirkte.

Am Fließband warteten wir auf unsere Kartoffelsäcke, aber die Bediensteten schienen im Streik zu sein, denn das ganze Gepäck kam tröpfchenweise. Nach etwa einer Stunde konnten wir die Säcke vom Band nehmen und packten gleich die Rucksäcke aus, da es so besser zu tragen war. Am Ausgang warteten einige Leute, und in vorderster Front hielt ein Weißer, den ich irgendwie mit einem Fischer in Verbindung brachte, weil er so norddeutsch redete und einen grauen Bart hatte, ein Schild mit der Aufschrift "ASCO" und meinem Namen in die Luft. Er begrüßte uns mit "Na typisch, die Letzten!", und wir begleiteten ihn zum Fahrzeug, welches uns zu unserem Autovermieter bringen sollte. Wir stiegen in den VW Kombi ein und fuhren - auf der linken Seite - nach Windhuk.

Der Fischer erzählte uns ein bißchen über das Land, welche Campingplätze wir im Voraus buchen sollten, und machte Witze über Schwarze, was uns allerdings gar kein Lachen entlockte. Auf der Fahrt bekamen wir schon die ersten wilden Tiere zu sehen: Affen, die auf Brücken über der Straße saßen und den Autos zusahen. Mein erster Gedanke war, daß sie hoffentlich keine Steine auf die Autos werfen.....

Wir kamen also beim Autovermieter an, inzwischen war es schon angenehm warm, und wollten die Formalitäten abwickeln: Führerschein, Versicherung, zahlen. Doch die Kreditkarte spuckte nichts aus. Und so verbrachten wir gute vier Stunden beim Vermieter, der immer wieder mit einer Bank in Südafrika, in Frankfurt und "meiner" Filiale in Kempten telefonierte.

Währenddessen erhielten wir eine Einweisung am Fahrzeug, ein Toyota Hilux, Allrad, mit Dachzelt. Er erschien uns doppelt so groß wie der Corsa, der uns am Vortag noch nach München brachte. Während der Einweisung fuhren wir die ersten Kilometer durch die Stadt. Wie sollte ich nur das Linksfahren in den Griff bekommen? Nicht genug, fuhren wir aus der Stadt heraus auf ein "Übungsgelände", ein trockenes, versandetes Bachbett, über Uferböschungen und Steigungen. Vorher den Allrad rein und Untersetzung, mit der linken Hand versteht sich, vorwärts, rückwärts. Machte eigentlich Spaß, so daß ich Claudia überzeugen konnte, sich ebenfalls im Gelände zu versuchen.

Nach der ersten Fahrerfahrung ging es zurück zum Vermieter, der immer noch kein Geld abbuchen konnte. Irgendwann gelang dies schließlich, und sie entließen uns in die "Wildnis" Windhuk, wo wir uns nun zur Pension "Moni" durchschlugen. Dort ließen wir erst mal das Gepäck im Zimmer und das Auto stehen und wanderten ins Stadtzentrum, welches nicht weit entfernt war. Ein Abstecher zur nächsten Bank füllte unsere Reisekasse. Windhuk ist eine kleine Großstadt oder große Kleinstadt, etwa so groß wie Augsburg. Das Zentrum selbst bestand scheinbar nur aus der einen Straße, der Independence Ave mit der Luisen-Apotheke, dessen Bild jeden Namibia Reiseführer ziert. Unser Ziel war das Kaiserliche Vermessungsamt, in welchem das Staatliche Reservierungsbüro untergebracht ist. Der Beamte erklärte uns, daß wir nur den Campingplatz in Sesriem reservieren sollten, alles andere sei kein Problem, uns so glaubten wir ihm, obwohl im Reiseführer überall etwas von "vorreservieren" und "oft schon Wochen vorher ausgebucht" drinsteht.

Nun hatten wir alles erledigt, und die Sonne stand schon sehr hoch am Himmel, was die Quecksilbersäulen noch weiter steigen ließ. Wir entschlossen, uns im Zoo-Café zu entspannen und zu stärken. Anschließend klapperten wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten ab, wie die Christuskirche, das Reiterdenkmal, den Tintenpalast und die Alte Feste. In einem Supermarkt kauften wir uns noch Vorrat für die nächsten Tage ein. Da wir schon sehr müde waren, denn im Flugzeug hatten wir kaum ein Auge zugemacht, gingen wir früh ins Bett und freuten uns, was uns die nächsten Tage erwartete.

Wahrzeichen Windhuks: die Christuskirche...

...und der Tintenpalast


3. Tag, Mittwoch, 09. Mai, Köcherbaumwald

Nach dem guten Frühstück in der Pension gings also richtig los. Wir verließen Windhuk Richtung Süden und staunten über die Landschaft. Leichtes Hügelland mit viel Grün begleitete uns auf der Fahrt, wobei wir nach wenigen Kilometern schon das Gefühl hatten, allein unterwegs zu sein. Die Sonne lachte uns nicht entgegen, denn sie heizte uns von Hinten ein. Der Tag versprach herrlich zu werden. Auf der Fahrt machten wir einen Zwischenstopp in Mariental, wo wir einen "Spar"-Markt besuchten und weitere Essenssachen einkauften und tankten. Die Landschaft wurde allmählich karger und flacher. Nachmittags erreichten wir den Garas-Park, einen kleinen Köcherbaumwald 20km vor Keetmanshoop mit kleinem Campingplatz, welcher mit dem Nötigsten ausgestattet war: Strohduschen und -toiletten. Da wir die Einzigen waren und der Park ansonsten recht hübsch, beschlossen wir, hier die erste Nacht zu verbringen. Jedenfalls die erste Nacht im Dachzelt. Es war zwar erst drei Uhr, da aber die Sonne schon um fünf unterging, wären wir sowieso nicht mehr sehr weit gekommen, und Campingplätze gibt es nicht gerade wie Sand am Meer.

Wir verbrachten den Nachmittag im Park, staunten über die Köcherbäume, über die vielen verschiedenen Vögel und Klippschliefer, wovon die meisten sehr scheu waren und sich verzogen, einer aber so frech und neugierig war, daß wir ihn fast mitgenommen hätten, und warteten auf den Sonnenuntergang, da diesen im Köcherbaumwald zu erleben eine Besonderheit sei, was wir aber nicht so empfanden.

Abends kam die Besitzerin und verlangte für die Übernachtung 45N$, etwa 8 €. Das dreifache von dem, was in unserem Reiseführer stand. Im Folgenden mußten wir die Erfahrung machen, daß alle Preise sich verdreifacht hatten.

Abendstimmung im Köcherbaumwald


4. Tag, Donnerstag, 10. Mai, Ai-Ais

Kurz vor Sonnenaufgang waren wir schon wieder auf den Beinen. Die Nacht war recht kalt, und so turnte ich mich warm, während Claudia wegen der Kälte unglücklich im Zelt saß. Nach einem Frühstück mit heißem Tee brachen wir auf. Wir fuhren einen kurzen Abstecher durch Keetmanshoop und weiter Richtung Grünau. Kurz hinter Grünau bogen wir ab zum Fish River Canyon. Nun waren wir auf unserer ersten Schotterpiste. Nun ging es richtig los. Die Wildnis.

Bei einer kurzen Pause genossen wir die unendliche Weite der Landschaft, die durchdringende Stille der Wüste, welche gar keine Wüste war, da überall schöne große Grasbüschel wuchsen und die Landschaft eher an Weizenfelder erinnerten. Die frische Luft beflügelte die Sinne, der blaue Himmel brachte das Herz zum Lachen. Erdhörnchen huschten über die Piste und verschwanden in ihren Löchern. Vergessen war das schlechte Wetter zu Hause, wo noch vier Wochen zuvor naßkalter Schnee lag.

Unser heutiges Ziel war Ai-Ais, die heiße Quelle am Ende des Canyons. Die Landschaft wurde nun doch immer karger und ähnelte bald einer Wüste. Es führte eine Art Paß in den Canyon, und Ai-Ais angekommen, fühlte man sich wie in einer Oase. Palmen säumten die Wege und grünes Schilf wuchs am Fluß, der fröhlich vor sich hin plätscherte. Nach der "teuren" Übernachtung im Garas-Park fühlten wir uns hier allerdings "abgezockt", denn der Spaß kostete ganze 155N$.

Am Nachmittag erholten wir uns im Warmwasserbecken, was Claudia als "Pisswasser" bezeichnete, und lasen in unseren Büchern. Meine Reiselektüre war "Cobra", ein Thriller über gezüchtete Viren als Kampfstoff, welche ein Verrückter in New York zum Menschenversuch ausgesetzt hat. Der Ursprung der Viren war natürlich Afrika.


5. Tag, Freitag, 11. Mai, Fish River Canyon

Heute wollten wir in den Canyon steigen. Da dies aber nur für mindestens drei Leute mit ärztlichem Attest erlaubt ist, fuhren wir an eine Stelle, wo nicht mit einem Ranger zu rechnen war. Auf der Fahrt dorthin nahmen wir, nachdem der Reißverschluß unseres Zelts mit Zange, Nadel und Faden repariert werden wollte, eine Schwedin und einen Engländer mit, welche durch den Canyon gewandert sind und nun zurück zum Startpunkt wollten. Diese gaben uns Tips, wo wir ungestört in den Canyon steigen könnten. Am Hauptaussichtspunkt des Canyons verließen uns die beiden, und wir fuhren noch ein Stück weiter abseits. Wir schnürten unseren Rucksack und füllten unsere Flasche mit Wasser. Die Tour war herrlich, das Wasser des Fish River zwar braun, aber schön kühl für die aufgeheizten Füße. Der Weg zurück nach oben war weitaus anstrengender, da nun die Sonne ihre ganze Energie auf uns bündelte.

Nach dieser Tour fuhren wir weiter und ließen uns im Canyon Roadhouse nieder, welches uns die beiden Trecker empfohlen hatten. Auf dem Weg sahen wir unsere ersten Strauße, die sogleich vor uns flüchteten und dabei scheinbar einen Tanz vorführten. Da die Tour in den Canyon doch eigentlich ein Klacks war, stiegen wir noch auf einen kleinen Berg, um den Sonnenuntergang zu genießen. Die Berge im Hintergrund wurden dabei so schön rot angeleuchtet, daß sie an den Ayers Rock in Australien erinnerten. Das Roadhouse beinhaltete ein Restaurant, wo wir Strauß und Springbock bestellten.

Der Fish River Canyon

Die Wanderung zum Fluß ist anstrengend.

Soll mer langsam mal a Feuer machn?


6. Tag, Sa, 12.05.: Lüderitz

Unser heutiges Ziel, Lüderitz, war sportlich, da wir etwa 400 km vor uns hatten. Und so brachen wir früh auf. Da aber der Großteil der Strecke wieder geteert ist, sollte es kein Problem sein. Doch etwa 30km vor der Teerstrecke versperrte uns ein Schild "ROAD CLOSED" den Weg, und die Umleitung machte daraus gleich 60km. Die Umfahrung führte an einem Stausee vorbei durch einen Fluß, dessen Tiefe kaum abschätzbar war. Ein freundlicher Schwarzer winkte uns herüber und so hatte Claudia den Spaß, das Wasser links und rechts spritzen zu lassen.

Auf der Teerstraße angekommen, wollten wir den Reifen wieder aufpumpen, da wir für die Schotterpiste Luft abgelassen haben, weil andernfalls die Gefahr besteht, daß bei spitzen Steinen schnell ein Reifen platzt. Doch wir mußten feststellen, daß die zur Ausrüstung gehörende Luftpumpe gar nicht funktionierte.

Auf dem Weg nach Lüderitz kamen wir an Seesheim vorbei und durch Goageb, zwei Örtchen, die man getrost links liegen lassen kann. Naja, Seesheim als altes Eisenbahnerörtchen hat noch einen gewissen Charme.

In "Aus" tankten wir nochmals, dann wär es eigentlich aus. Zuvor sorgte eine bergige Landschaft für optische Abwechslung, ab Aus kommt die Wüste. Normalerweise. Da es aber gerade mal vier Wochen zuvor ordentlich geregnet hat, begrüßten uns blaue Blumen und grünes Gras, was da einfach im Sand wuchs. Es war ein so sanfter Anblick, daß man gar nicht auf die Idee kam, in einer Wüste zu sein.

Etwa 30km vor Lüderitz war es aber dann aus. Kein Gras, keine Pflanze am Wegesrand. Nichts als Sand. Zwischendurch ragten ein paar schwarze Felsen aus dem Sand, und mitten durch führte die Straße. Gelegentlich überfuhren wir Sandverwehungen und staunten über die bizarren Formen. Auch war es deutlich heißer hier als zuvor. Es ging vorbei an Kolmanskop, einer alten, verlassenen Diamantengräberstadt, und schließlich erreichten wir Lüderitz, welches da so öde zwischen den Felsen im Sand am Meer lag. Der Campingplatz, auf Shark Island gelegen, war im ersten Augenblick nicht besonders anziehend. Da die Geschäfte schon geschlossen hatten, und uns Einheimische mitteilten, daß sie sonntags auch zu sind, beschlossen wir, nicht, wie geplant, zwei Nächte zu bleiben, sondern nur eine. Wir begaben uns nachmittags noch zum Achatstrand, wo es diese Steine geben soll, staunten über eine Flamingokolonie und genossen das Abendrot über dem Meer. Auf der Fahrt zum Campingplatz trafen wir viele einheimische Jugendliche, wohl auf dem Weg in die Disco.

Die Nacht selbst war unruhig, da es die ganze Zeit stürmte. Aber entgegen der allgemein üblichen Wetterlage war es nicht kalter Meereswind, sondern heißer Wüstenwind, und so erlebten wir eine der wärmsten Nächte des Urlaubs.

Sogar ein Opel Kadett A aus den 60er Jahren lebt noch hier!


7. Tag, So, 13.05.: Schloß Duwisib

Wieder standen wir früh auf, da wir das Schloß Duwisib als Ziel hatten, vorher aber noch die große Lüderitzhalbinsel ansehen wollten. Diese Insel aus Wüstensand und Felsen erinnert an eine Mondlandschaft. Wir erkundeten den Diaz Point, den Punkt, wo der erste Europäer namibischen Boden betrat, der Portugiese Diaz, welcher auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien hier an Land ging. Dort sahen wir die ersten Robben gemütlich auf einer kleinen Felseninsel herumtollen.

An der "Großen Bucht" wagten wir uns ins Meer. Das Wasser war zwar recht kalt, da die Luft aber sehr warm war, empfanden wir es als angenehme Erfrischung. Kein Mensch war weit und breit, und nach dem kühlen Bad ließen wir uns von dem warmen Wüstenwind trocknen.

Bootswrack in der "Großen Bucht"

Anschließend fuhren wir zurück Richtung Aus, schauten uns die Wüstenpferde bei Garup an und bogen im weiteren Verlauf auf die nächste Schotterpiste. In Helmeringhausen, einem Ort bestehend aus zwei Häusern, wollten wir tanken. "Sunday closed". Also gings weiter. Bevor wir Duwisib erreichten, besichtigten wir und sichteten wir einen seltenen Wüstenfuchs. Wir pausierten an einem Termitenhügel und an einem Webervogelnest.

Das Schloß selbst empfanden wir eigentlich als recht hübsch, ob es hier rein paßt oder nicht. Auch der Campingplatz war nett angelegt. Dort lernten wir bei einem Bier Ute und Jo aus Köln kennen. Ute erzählte uns etwas über die Skorpione und ihre Behausung, ich erzählte etwas über die Sterne über dem Südhimmel, welche hier besonders gut zu sehen waren, da weit und breit kein künstliches Licht schien und der Mond schon sehr abgenommen hat und demzufolge erst sehr spät aufging.

Im Zenit konnte man deutlich das Kreuz des Südens erkennen, im Westen war Orion gerade dabei, unterzugehen, und im Südosten verfolgt ihn seit der Antike der Skorpion. Die Zwillinge mit Castor und Pollux im Nordwesten, der große Hund mit dem hellsten Stern überhaupt, Sirius, im Westen. Quer von Ost nach West reichte das Band der Milchstraße, wie man sie von Deutschland aus nie sehen kann! Hoch über uns Toliman und Hadar, besser bekannt als Alpha und Beta Centauri, die nächsten Nachbarn der Sonne. Seid gegrüßt! Und ganz im Norden, auf dem Kopf stehend, der Große Wagen. Ja, die Erde ist rund!

Das Schloss Duwisib


8. Tag, Mo, 14.05.: Maltahöhe

Wir verabschiedeten uns von Ute und Jo und gingen in den Kiosk am Schloß, wo wir ein gutes Frühstück bekamen und den Einheimischen beim "Klicken" zuhörten. Wir kauften uns noch ein paar Nahrungsmittel, was es hier so gab: Nudeln, Büchsenfleisch, Kekse, und fuhren anschließend nach Maltahöhe, dem nächsten Ort mit Tankstelle. An der Straße begrüßte uns eine Pavianhorde und ein scheues Impala.

In der deutschsprachigen Bäckerei besorgten wir uns Brot, in der englischsprachigen Metzgerei Pfefferwürste und Biltong, und im Bottle Store Bier und Feuerholz. Noch schnell aufgetankt, dann gings weiter zum Naukluft Park. In der Nähe Büllsports entdeckten wir die ersten Zebras, welche ich zuerst für Esel hielt, Claudia aber für Pferde. Da wir noch trockenes Brot hatten, ließ sich Claudia nicht erst erweichen und begann, ein Zebra zu füttern.

Es war nicht mehr weit bis zum Park. Dort öffneten wir zunächst das Eingangstor und fuhren ein Stück, bis wir ein ganzes Pavianrudel aufschreckten, oder sie erschreckten uns. Aber eigentlich waren die so scheu, daß sie gleich wieder abzogen.

Der Bedienstete, der uns zuerst gar nicht in den Campingplatz im Park lassen wollte, weil wir keine Reservierung hatten, war dann doch so freundlich und gab uns einen der sieben Plätze. Zunächst meinte er, wir könnten nur eine der geplanten zwei Nächte bleiben, stellte dann aber eine Rechnung aus für zwei Nächte. Es ging also doch!

Wir warfen unsere Feuerstelle an und grillten Pfefferwürstchen, die herrlich schmeckten. Es war schon recht dunkel, wir waren etwas abseits von den anderen Stellplätzen, da erschreckte uns ein aggressives Tiergebrüll, was sich aber nach ein paar Herzstillstandssekunden als das Machogehabe eines Pavianmännchens herausstellte, welches irgendwo im Gebüsch hockte. In der Nähe konnten wir zwei andere nächtliche Besucher ausmachen, welche aber keinen Mux von sich gaben. Es war ein Halbaffenpärchen, deren Augen im Taschenlampenlicht blitzten.


9. Tag, Di, 15.05.: Naukluft Park

Heute hatten wir eine Wanderung durch den Naukluft-Park vor uns. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg in der Hoffnung, viele Tiere zu sehen. Der Weg führte uns an einem klaren Bach entlang durch eine Schlucht mit vielen Bäumen und Büschen. Fröhliches Vogelgezwitscher begleitete uns. Wir kamen an eine Biegung, wo wir am Berghang Affen ausmachten, die schnell herabkletterten. Haben die uns auch ausgemacht?

Immer wieder erschallte so ein Gebrüll, welches uns am Vorabend einen Schreck versetzte. Claudia bewaffnete sich sicherheitshalber mit einem langen Holzstock. Doch wir kümmerten die Affen recht wenig, und so marschierten wir weiter, immer wieder einen Blick auf die Affen gerichtet, ob sie uns nicht doch verfolgten.

An einer Höhle entdeckten wir verschiedene große und kleine Knochen, und vor der Höhle konnten wir deutliche Spuren eines Leoparden ausmachen. Doch für gewöhnlich sind diese Tiere nachtaktiv, und so hatten wir keinerlei Bedenken. Verschiedene Blumen zierten den Weg, auf denen Schmetterlinge ihre Farben zur Schau stellten. Wir sahen Eidechsen und irgend so ein Hamster-Ratten-Meerschweinchen. Eine kleine längsgestreifte Schlange kreuzte unseren Weg, und nach einer Schrecksekunde war sie auch schon wieder weg. Sie gab uns gar keine Chance, ein Foto zu machen.

Die Tour zog sich recht lange hin, gelegentlich mußten wir nach Wegmarkierungen suchen. An einer Felsformation wackelte ein Stein, und darunter sah ich eine armdicke schwarze Schlange, die sich langsam verkroch. Es ist nicht auszuschließen, daß es eine Schwarze Mamba oder eine Speikobra war.

Nach dieser neun Stunden dauernden Wanderung waren wir ziemlich kaputt. Abends schliefen wir sehr bald ein.


10.Tag, Mi, 16.05.: Sossousvlei

Für den sechzehnten haben wir in Sesriem vorgebucht, und so verließen wir den Naukluft-Park und fuhren die kurze Strecke nach Sesriem. Dort besichtigten wir zunächst den Canyon, wo wir die ersten "Bustouristen" trafen. Da der Canyon Wasser führte, war ein Abstieg nicht möglich. Für die Bustouris jedenfalls, denn wir fanden einen anderen Weg. In der Schlucht wanderten und kletterten wir ein bißchen herum und freuten uns, wie die anderen staunten, wie wir wohl da rein gekommen sind.

Am Campingplatz wurde uns ein Platz zugewiesen. Wir mußten feststellen, daß dieser aber schon belegt war. Nach Klarstellung erhielten wir einen anderen Platz, welcher frei war. Dort stellten wir unser Feuerholz ab und genossen die Sonne. Ich las weiter in dem Viren-Thriller.

Am frühen Nachmittag brachen wir auf in die Namib. Das Tal wurde langsam enger, die berghohen Sanddünen reichten immer näher an die Straße. Im Tal selbst war es jedoch wunderbar grün, und man konnte Oryxantilopen beim Fressen zusehen.

Je tiefer man in die Wüste kam, desto unwirklicher wurde die Landschaft. Ockerfarbener Boden mit grünen Gräsern, hohe, pure, rote Sanddünen ragten auf der linken Seite in den blauen Himmel, grüne und auch abgestorbene, verdorrte Bäume standen davor. Braun-beige Sanddünen auf der rechten Seite. Sogar kleine blaue Seen lagen den Dünen zu Füßen. Und nichts störte die unendliche Ruhe.

Wanderung in der Sesriem Schlucht

Wasser! Zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel!

Kein Mensch weit und breit

Wir stellten das Fahrzeug ab und wanderten auf den Sossusvlei, einer Düne am Ende der Piste. Zwar waren noch drei weitere Personen hier, doch die störten nicht, sondern verließen die Dünen bald. So konnten wir den Sonnenuntergang ganz allein genießen, der die roten Dünen zum Leuchten anregte. Man fühlte sich mitten in einer Märchenlandschaft, die es so gar nicht geben kann. Und wir mitten drin.

Nach dem Untergang verließen wir die Dünen und fuhren wieder zurück zum Campingplatz. Wir hatten noch gute 60km vor uns, und es wurde schnell dunkel. Die Luft roch unglaublich nach süßen Blumen, am Straßenrand grasten Springböcke. Wir erreichten das Tor zum Campingplatz, welches zu unserer Verwunderung geschlossen war. Wir waren in der Wüste eingesperrt. Also kletterten wir über den Zaun und baten einen Angestellten, uns das Tor zu öffnen. Nach einigem Hin und Her, ob uns denn niemand darüber informiert hat, daß das Tor nach Sonnenuntergang geschlossen wird, wurde uns aufgesperrt und wir konnten zum Platz zurück, wo inzwischen schon jemand campierte. Damit hatten wir aber eigentlich schon gerechnet. Unser Holz brannte lustig in der Feuerstelle von Klaus und Christine, zwei Auswanderern, welche nun in Kapstadt wohnen und gerade Urlaub in Namibia machen. Sie luden uns zum Wein ein und wir plauderten über alles mögliche, sodaß wir erst um 22 Uhr ins Bett kamen.


11. Tag, Do, 17.05.: Unfall am Kuiseb

Wir tankten unser Fahrzeug voll und teilten uns die Übernachtungskosten mit Klaus und Christine. Wir tauschten unsere Email-Adressen aus und verabschiedeten uns.

Der Weg führte uns über Solitaire Richtung Kuiseb. Die Landschaft wurde immer grüner und hügeliger. Wir erreichten den Gaup-Paß, der allerdings entgegen unserer Erwartungen nicht über die Berge führte, sondern in ein eingegrabenes Flußtal, welches von "oben" kaum auszumachen war. Die Brücke über den inzwischen wieder trockenen Fluß diente in der Regenzeit als Auffangrechen für Bäume, Äste und sonstiges Gestrüpp.

Plötzlich, während der Fahrt, jaulte der Motor auf, der Tachometer sprang auf 160 km/h, und schon sackte das Auto hinten ab und krachte auf den Boden. Wir schlitterten auf der Bremstrommel (oder was davon noch übrig blieb) auf der Piste entlang, während ich sachte abbremste. Unser linkes Hinterrad überholte uns mitsamt der halben Achse, und wir näherten uns der Böschung, bis wir zum Stehen kamen. Nach einer kurzen Schrecksekunde sprang ich aus dem Auto und sah mir den Schaden an. Die Bremsflüssigkeit tropfte und brannte. Glücklicherweise gehörte ein Feuerlöscher zur Ausrüstung, welcher auch funktionierte. Keine 10 Minuten später kam ein Fahrzeug vorbei, welcher uns gleich Hilfe holte. Es war der Farmer der "Rostock"-Farm, an welcher wir vor etwa 20km vorbeikamen. Mit seinem Funkgerät nahm er Verbindung zu seiner Frau auf, welche sofort mit dem Autovermieter in Windhuk telefonierte. (Danke!)

Wir stellten unsere Campingstühle auf und warteten nun ganze fünf Stunden auf unser Ersatzfahrzeug, während wir unsere Lektüre zur Hand nahmen. Nebenbei erklärten wir allen Vorbeifahrenden, daß schon alles geklärt ist und wir nur noch warten. Ausnahmslos alle waren hilfsbereit, oder aber neugierig...

Da hatten wir Glück im Unglück!

Endlich kam der Abschleppwagen mit unserem neuen Fahrzeug. Wir luden unsere Sachen um, erledigten die Formalitäten und verabschiedeten uns von den Helfern.

Da es ja schon 5 Uhr war und die Sonne sich der anderen Erdhälfte zuwenden wollte, suchten wir unser nächstes Nachtquartier. Der im Reiseführer genannte Campingplatz am Kuiseb River existierte nicht mehr, und im folgenden durchquerten wir den Namib-Naukluft-Nationalpark, wo die Straße nur mit Sondergenehmigung verlassen werden darf. Im Dämmerlicht erkannten wir, daß die Landschaft am Kuiseb überwältigend sein muß: Unzählige Hügel, alle gleich hoch, oder eher eine Ebene, durchzogen von Tälern und Furchen, die Abbruchkanten durch Erosion geschliffen. Und grün.

Nachdem auch der nächste Campingplatz nicht existierte und der Weg nach Walvis Bay noch lang war, entschieden wir uns, gegen das Gesetz zu verstoßen: Wir verließen die Straße und stellten unser Zelt in der Wildnis auf. In wenigen Tagen war Neumond, und so erwartete uns eine dunkle Nacht. Der Kocher wurde entzündet und heißes Wasser für die Spaghetti aufgesetzt. Wir leuchteten ab und zu ins Dunkle, doch der Schein verlor sich nach wenigen Metern. Man sah nichts.

Plötzlich hörten wir ein Schnaufen, nicht weit vom Fahrzeug weg. Ein wildes Tier? Nun, wenn es ein Tier ist, dann ist es wild! Und wieder. Ganz deutlich. Wenn man ein Tier schnaufen hört, muß es schon ganz schön nah sein.

Wir flüchteten ins Auto und versuchten, in unserer Umgebung etwas zu erkennen. Nichts. Es war zu dunkel. Claudia wollte nichts mehr essen, sondern gleich ins Zelt und einfach auf den Morgen warten, aber da hinten die Spaghetti zu verkochen drohten und ich schließlich der Mann hier bin, stieg ich wieder aus. Das Schnaufen war nicht mehr zu hören. Auch Claudia traute sich wieder heraus.

In der Ferne sah ich ein rotes Licht flackern. Wo kommt das Licht her? In der Wüste? Wer läuft da nachts mit einem roten Licht durch die Wüste? Ein Auto konnte es nicht sein, dazu bewegte es sich zu langsam. Außerdem hörte man nichts. Da Tiere für gewöhnlich kein rotes Licht bei sich haben, kümmerte es Claudia weniger als mich.

Nach wenigen Minuten war das Rätsel gelöst. Es war der Mars, der eben aufgegangen ist. Aufgrund der Luftbewegung schien es so, als bewege sich das Licht. Jetzt aber stand er schon höher und strahlte beruhigend.

Die Spaghetti waren inzwischen fertig. Während wir unser Abendessen zu uns nahmen, schnaufte es wieder. Nein! Was ist das bloß? Die Nerven lagen schon ein bißchen blank, doch auch dessen Ursache wurde schnell gefunden. Es war der Wind, der um das Auto blies und dabei ein Geräusch erzeugte, das sich wie ein schnaufendes Tier anhörte. Nachdem wir ins Bett gegangen sind, schnaufte nichts mehr außer wir, und kein Licht flackerte mehr, bis der Morgen graute.


12. Tag, Fr, 18.05.: Walvis Bay und Swakopmund

Wir durchquerten die Namib-Wüste und erreichten am Vormittag Walvis Bay. Die drittgrößte Stadt Namibias ist sehr geschäftig. Wir holten wieder Geld vom Automaten, der aber die Karte nicht mehr ausspuckte! Und so warteten wir, bis die Bank öffnete. Wir klärten die Sachlage und mußten erfahren, daß die Leute mit dem Schlüssel gerade nicht da sind. Wir müßten bis mittags warten. Na gut, bloß kein Streß. Wir setzten uns in ein kleines Café und frühstückten köstlich. Anschließend fuhren wir zum Einkaufen und besichtigten die berühmte Lagune mit unzähligen Flamingos und Pelikanen. Mittags holten wir die Karte und fuhren dann weiter nach Swakopmund. Auf dem Weg stoppten wir am Strand, welcher endlos schien, da die Wüste eigentlich direkt bis ans Meer reicht. Pelikane kreisten über unsere Köpfe hinweg und im Meer sahen wir die Rückenflosse eines Haifischs. Aber zum Baden wollten wir eh nicht, oder Claudia?

Swakopmund gefiel uns auf Anhieb. Ein kleines, altes Städtchen mit hübschen Gebäuden und netten Leuten. Am Campingplatz wusch Claudia einen Großteil der getragenen Kleidung und ich bastelte aus Zeltleiter, Betonmast und Packschnur eine Wäscheleine. Anschließend spazierten wir durch den Ort, besorgten uns Grillfleisch und besuchten ein Internetcafé, von wo aus wir "Uns-geht's-gut"-Grüße absetzten.

Der Sonnenuntergang mit Landungsbrücke im Vordergrund ist ein Erlebnis.

Die Brücke in Swakopmund: Begehen verboten, Einsturzgefahr!


13. Tag, Sa, 19.05.: Swakopmund

Nachdem wir so richtig ausgeschlafen und gefrühstückt haben, machten wir einen Stadtrundgang durch Swakopmund, und besichtigten dabei die Ritterburg, das Hohenzollernhaus, das Alte Amtsgericht, den Wilhelminischen Bahnhof, das alte Postamt und was da sonst noch so rumsteht. Die Straßennamen klingen allesamt heimisch: Brückenstraße, Lazarettstraße, Kaiser-Wilhelm-Straße, Bahnhofstraße und so weiter.

Mittags legten wir uns an den Strand, wo hohe Wellen um die Beine schlugen, daß ein Baden nicht möglich war. Am Nachmittag besichtigten wir das Aquarium und staunten über die Haifütterung. Abends aßen wir in Erich's Restaurant Haifischfilet und Cat Fish. Zum Abschluß probierten wir einen "Weißen Elefanten", ein Gemisch aus Vanilleeis mit Amarula-Likör. Herrlich!

Das Amtsgericht in Swakopmund


14.Tag, So, 20.05.: Cape Cross

Unser heutiges Etappenziel war der Brandberg, der höchste Berg Namibias. Wir verließen das erholsame Swakopmund nach Norden, frühstückten in einem Straßenrestaurant in Hentiesbaai und besuchten Cape Cross, das Kreuzkap, wo "Millionen" von Robben um die Wette brüllen. Kleine und große, dicke und dünne, braune und schwarze Robben ringen um die Gunst der Fotografen. Und so nah, daß man sie anfassen könnte. Sie tauchen um die Wette, watscheln und rennen umher und lassen sich von den größten Wellenbrechern umreißen.

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Skelettküste, bogen dann aber kurz zuvor ins Landesinnere ab Richtung Brandberg. Die nun folgende Strecke war alles andere als einladend. Eine braune Steinwüste war die kommenden 150km die einzige Abwechslung zum blauen Himmel, ab und zu ragten Welwitschias aus dem Boden, bis zu 1000 Jahre alte Pflanzen, Überlebenskünstler. Die Sonne brannte erbarmungslos herab, und weit und breit kein Zeichen menschlichen Lebens. Sogar unser Reiseführer bezeichnete die Landschaft als "furchteinflößend". Wir näherten uns dem Brandberg, und sehr plötzlich änderte sich die Landschaft. Es wurde wieder grün, Springböcke huschten durch die Steppe und Strauße rannten um ihr Leben, obwohl ich sie nur filmen wollte.

In Uis wurde schnell aufgetankt, dann starteten wir durch zum Brandberg. Immer wieder sah man Springböcke, Oryxantilopen und Erdhörnchen. Am Brandberg flugs das Zelt aufgestellt, die Feuerstelle entzündet und Würstchen gegrillt.

Am Cape Cross

15. Tag, Mo, 21.05.: Versteinerter Wald

Nach einem gemütlichen Frühstück führte uns der Weg nach Khorixas, wo wir Vorräte und Benzin auffüllten und einem armen Bettler, der aus dem Bottle Store gerannt kam, um unsere Scheibe zu putzen, 5N$ gaben, was er gleich wieder in Bier umsetzte. Anschließend besuchten wir den versteinerten Wald, ein Gebiet, in welchem etliche alte versteinerte Baumstämme herumliegen, die aber so gut erhalten sind, daß man sie aus Holz vermutet. Im Innern mancher Baumstämme kann man Quarze "wachsen" sehen.

Weiter gings zu den Orgelpfeifen, ein kleines Tal, besser gesagt ein Bacheinschnitt, wo die Erosion sonderbare Gesteinsformationen erschuf, welche in der Tat an Orgelpfeifen erinnern. Allerdings sieht das ganze im Reiseführer wesentlich größer aus, als es ist. Der verbrannte Berg ganz in der Nähe war eigentlich uninteressant, vielleicht eher etwas für Geologen. In Twyfelfontein, dem Ort mit den vielen Felszeichnungen und Gravuren, waren wir wegen der Fahrerei und der Hitze schon so müde, daß wir keine Lust mehr hatten, diese zu besichtigen, und so fuhren wir zum nächsten Campingplatz Abu Huab, wobei wir zwei einheimische Mädchen mitnahmen, die in Twyfelfontein arbeiten und am Campingplatz wohnen.

Der Platz selbst wirkt sehr schlicht, die Dusche war aber ein Erlebnis. Eine richtige Buschdusche mit im Baumstamm eingelassenem Wasserhahn, schön geräumig und von außen fast einsehbar. Am Lagerfeuer bereiteten wir wieder unser Abendessen.

Versteinerte Baumstämme


16. Tag, Di, 22.05.: Palmwag

Die heutige Etappe war kurz, gerade mal 100km. Durch das sehr hübsche nördliche Damaraland, in welchem wieder viele Springböcke und Oryxe zu sehen waren, erreichten wir Palmwag, wobei wir kurz zuvor den Veterinärzaun passierten. Von nun an gab es kein abgezäuntes Farmland mehr. Hier ging die wirkliche Wildnis los. Hier können auch schon Elefanten gesichtet werden, wobei wir dieses Glück nicht hatten.

In Palmwag kamen wir mittags an und wollten den Game Drive buchen, welcher nachmittags um halb drei startet. Da uns die Angestellte mitteilte, daß wir für die Anmeldung zehn Minuten zu spät seien (es war kurz nach halb eins!), erkundigten wir uns nach der Tour an frühen Morgen. Diese startet um 7 Uhr. Wir wollten buchen, aber sie meinte, es sei nicht nötig. Es reiche, wenn wir morgen früh anwesend sind. Das kam uns so komisch vor, daß wir mit Palmwag keine guten Erinnerungen in Verbindung bringen werden. Überhaupt sah das ganze hier sehr "hochnäsig" aus. Das Restaurant ist nur für Lodge-Besucher zugänglich. Nur wenn zu wenig betuchte Besucher da sind, können Camper auch hingehen, aber nur nach vorheriger Anmeldung. Nein danke.

Den Nachmittag verbrachten wir am Pool mit eiskaltem Wasser, da war ja der Atlantik wärmer! Abends haben wir gegrillt, Katzen gefüttert und Käfern Trampolin springen beigebracht.


17. Tag, Mi, 23.05.: Unser Dreijähriges in Sesfontein

Den Game Drive in Palmwag machten wir nicht mit, sondern brachen Richtung Sesfontein auf. Die Landschaft wurde zunehmend zur Savanne mit viel Buschbewuchs, die Bäume wurden höher und ich suchte die Umgebung nach Giraffen ab. Wir sollten aber noch lange keine zu Gesicht bekommen. Die Strecke nach Sesfontein ist nicht sehr lang, so beschlossen wir, einen kleinen Wasserfall zu besuchen, welcher etwas abseits der Piste sein sollte. Der Weg dorthin wurde immer steiler und steiniger, und viele Kinder sprangen aus den Büschen hervor, um irgendetwas abzubetteln. Immer wieder gingen noch schlechtere Wege links und rechts weg, und irgendwann holte uns das Gefühl ein, auf dem falschen Weg zu sein. So kehrten wir um, mit dem Gedanken daran im Kopf, was uns am Kuiseb passierte.

Wir erreichten Sesfontein, ein einsames Örtchen fern der Zivilisation. Der Campingplatz am Fort wird von einem Deutschen geführt, der uns gleich mal den Weg zum Hoanib-Fluß erklärte, wo man am ehesten die Wüstenelefanten sehen könnte. Wir bezahlten für unsere Übernachtung und das Abendbüffet, welches preislich wohl die höchste Kategorie in Namibia darstellt, wir aber wegen unseres "Feiertages" trotzdem genießen wollten.

Wir fuhren nochmal in den Ort hinein, um im einzigen Laden unsere Vorräte aufzufüllen. Ich fand den Laden richtig nett, er war so groß wie eine Doppelgarage, in der Mitte durch eine Mauer getrennt, dahinter stand die schwarze Verkäuferin, und hinter ihr, an der Wand, ein Regal, wo das Wichtigste angeboten wurde:

Ein paar Getränke, Brot, Kekse, Dosen, Bananen, Toilettenpapier und manches Krimskrams. Da wir nicht genau wußten, was wir kaufen sollten, bat uns die Verkäuferin durch einen Nebenraum hinter die Theke. Bei der Auswahl war es gar nicht leicht, etwas Geeignetes zu finden. Schließlich kauften wir Kekse, Dosen, Brot und Bananen. Claudia merkte man die Enttäuschung an, sie hatte hier, am Eingang zum wilden Kaokoveld, nochmals einen richtigen Supermarkt erwartet, weil es ja im Kaokoveld wahrscheinlich gar nichts mehr gebe.

Nun wagten wir uns zum Hoanib-Fluß, wo es keine Pisten mehr gibt, ins Off-Road-Vergnügen. Wir waren noch nicht einmal abseits der Piste, da hörte ich ein Zischen. Keine Schlange, der Reifen! Irgendein spitzer Stein hat sich in den Reifen gebohrt. Nun hieß es schnell nach Sesfontein zurück zu kommen. Doch die Luft entwich so schnell, daß wir anhalten mußten, um den Reifen zu wechseln.

Ohne den Fahrtwind brannte die Sonne herab, so daß man unweigerlich ins Schwitzen kam. Glücklicherweise funktionierte das Werkzeug, und so konnten wir bald die Fahrt fortsetzen. In Sesfontein gaben wir den Reifen zur Reparatur, und versuchten uns nochmals in der Off-Road-Kunst.

Irgendwie hat es der Fort-Sesfontein-Manager erklärt, aber seine Beschreibung, wo man die Piste verlassen müßte, paßte nicht so recht mit der Umgebung überein, wie wir sie vorfanden. Naja, mit ein bißchen Phantasie paßts schon. So bewegten wir uns durch die Steppe, es wurde immer unwegsamer, wir durchquerten eine Bachrinne, so daß das Auto mehr hoppelte als fuhr, und befanden uns dann in einem Flußbett. Man konnte Reifenspuren ausmachen, und so trieb es mich immer weiter, bis das Flußbett immer schmaler wurde und der Sand immer tiefer. Irgendwann überkam mich das Gefühl, daß das wohl doch nicht der richtige Weg sei, und da ein Umdrehen nicht möglich war, half nur der Rückwärtsgang, wobei wir fast steckengeblieben sind. Da Claudia heute eher zart besaitet war, machte ihr das gar keinen Spaß mehr, mir aber umso mehr. Naja, ich fand das alles halt nicht so schlimm, irgendwie geht's doch immer! Und so fuhren wir wieder zurück zum Fort und haben halt keine Wüstenelefanten gesehen.

In der Summe sind wir heute öfters umgedreht, als daß wir ein Ziel erreicht hätten. Am Fort angekommen, war der Reifen schon geflickt, was knapp über 6 € kostete.

Vor der Dusche lernte ich Erwin kennen, einen Franken, der am Ammersee wohnt. Da er mit seiner Frau, Christine, auch zum Büffet gehen wollten, verabredeten wir uns, gemeinsam dorthin zu gehen.

Das Büffet war sehr köstlich. Wir plauderten mit Erwin und Christine über alles mögliche, besonders die beiden erzählten viel über ihre Erlebnisse. Später am Abend sang ein Sesfonteiner Chor hübsche afrikanische Lieder, wie man sie sich im Busch vorstellt.

Heute war unser längster Tag, da wir erst um halb zwölf schlafen gingen.


18. Tag, Do, 24.05.: Epupa Falls

Da Erwin und Christine am nächsten Tag zu den Epupa Fällen am Kunene Fluß weiterreisen wollten, und wir selbst etwas unschlüssig waren, ob Ruacana oder Epupa, überzeugten sie uns damit, daß die Straße recht gut erhalten sei, und so beschlossen wir, uns am Epupa wieder zu treffen. Erwin war recht rasant unterwegs, und so verloren wir sie bald aus den Augen.

Die Piste war wirklich nicht sehr schlecht, ab und zu waren Flußbetten zu kreuzen, wo man sich nur im Schrittempo fortbewegen konnte, so daß sich langsam ein weiteres Fahrzeug von hinten näherte: Es stellte sich heraus, daß Andreas und Susi aus Sonthofen ebenfalls nicht genau wußten, wohin es gehen sollte, und so fuhren wir gemeinsam nach Opuwo, der Hauptstadt des Kaokovelds.

Auf dem Weg dorthin konnten wir die ersten Himba sehen, viele typisch afrikanische Rinderherden und jede Menge Termitenbauten. Die Landschaft war recht bergig, die Laubbäume verfärbten sich schon langsam wie im Herbst. Hier war ja Herbst!

Irgendwann holten wir Erwin und Christine wieder ein, die versuchten, ihre Türe zu reparieren, da sie sich nicht mehr schließen ließ. Da sie keine Hilfe brauchten, fuhren wir weiter, sie würden uns eh wieder einholen.

In Opuwo tankten wir und kauften wieder Nahrungsmittel und Bier. Es waren eine Menge Leute unterwegs, auf dem Feld wurde Fußball gespielt. Vielleicht der FC Opuwo gegen Inter Kaoko Otavi.

Weiter gings Richtung Epupa, noch war die Piste gut, aber 70 km vor dem Fluß wurde sie immer schlechter. Zunächst mußte ein sehr breites sandiges Flußbett durchquert werden, wobei manche Fahrzeuge stecken geblieben sind. Und so mußte man warten, bis die Spur wieder frei war, oder man half einfach mit beim Schieben.

Später wurde es immer steiniger. Stellenweise glaubte man sich beim Bergsteigen, doch das Fahrzeug meisterte die größten Unebenheiten. Plötzlich, aus dem Nichts, kam Erwin herangeprescht, man rief sich was zu, und schon war er wieder weg. Auf der ganzen Strecke mußte ich immer wieder an den Achsbruch denken. Wenn das hier passiert wäre, würden wir Tage festsitzen!

Für diese 70km benötigten wir viereinhalb Stunden, die Sonne war gerade dabei, unterzugehen, und man wußte nicht, wie weit es noch sein sollte. Hier konnte man unmöglich das Zelt aufstellen! Links und rechts nur dichtes halbtrockenes Gestrüpp.

Endlich hatten wir auch das geschafft. Wie eine Oase lag im Tal der breite Kunene Fluß, gischte und brauste der Epupa Wasserfall, umsäumt von hohen Palmen. Wir stellten die Fahrzeuge auf und machten es uns gemütlich. Wir duschten uns den Streß vom Leib in einer Strohdusche, wo noch eine Nacht zuvor eine Puffotter sein Stelldichein gegeben haben soll. Nach dem Abendessen und Bier rund um das Lagerfeuer schliefen wir in den Zelten ein, umtost vom Lärm des Wasserfalls.

Besuch im Himba-Dorf


19. Tag, Fr, 25.05.: Kunene River Camp

Am Morgen organisierten wir einen Führer, John, der uns bei einer Wanderung am Fluß begleitete, die man ohne weiteres auch allein durchführen könnte, und besuchten ein Himba-Dorf, wo wir allerlei Geschichten über das Himba-Leben erzählt bekamen. Ob sie wahr sind, wissen wir allerdings nicht.

Anschließend ging es zurück auf der Piste von gestern, die sich heute weitaus harmloser gestaltete. Man kannte sie ja jetzt, und passiert ist ja gestern nichts. Dabei nahmen wir eine Frau mit, welche angeblich schon seit Tagen auf eine Mitfahrgelegenheit wartete und ins nächste Dorf wollte, aber niemand sei bisher dazu bereit gewesen. Also nahmen wir sie mit.

Nach den 70km stieg sie aus, eben im nächsten Dorf, wobei sie während der Fahrt wegen der schlechten Pistenverhältnisse öfters von der einen auf die andere Seite hüpfte. Erwin und Christine, die schon voraus gefahren sind, warteten an einer Kreuzung und überredeten uns, zur Kunene River Lodge mitzufahren. Andreas und Susi und wir ließen uns schnell überzeugen, und so war der Campingplatz der Kunene River Lodge unser nächstes Ziel. Dabei trafen wir auf der Straße, wie schon zuvor, so viele Himbas mit ihrer hübschen Tracht, daß Claudia am liebsten so nen kleinen Fratz mitgenommen hätte. Lieb waren sie ja schon, und freuten sich so über Kaugummi, Süßigkeiten (die allerdings ohne Zucker sein sollten!) und Armkettchen.

Der Campingplatz lag sehr schön am Fluß, diesmal ohne Wasserfall, mit großen Bananenstauden, Zitronenbäumen und schönen hohen Palmen. Der Sonnenuntergang am Fluß, wo sich das Abendrot im Wasser spiegelte, war besonders schön anzusehen.

Nachts konnte man lautes Platschen am Ufer vernehmen. Ob das wohl Krokodile waren, die ums Auto herumspazierten?

Himba-Jungens am Straßenrand


20. Tag, Sa, 26.05.: Bootsfahrt auf dem Kunene

Heute war ausspannen angesagt, denn wir hatten uns entschieden, eine weitere Nacht hier zu bleiben. Während des ausgiebigen Frühstücks entdeckte Christine Affen und ein Krokodil am anderen Ufer, welche uns die nächsten Stunden beschäftigten. Für den Nachmittag organisierten wir eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang und bestellten gleich mal Bier, Cola und Säfte. Die Fahrt war nicht besonders spektakulär, gerade mal ein kleines Krokodil konnten wir am Ufer sehen, Fischreiher und Affen. Der Bootsführer glaubte, eine Python gesehen zu haben, konnte uns aber dafür keinen Beweis bringen. Zwar war der Sonnenuntergang sehr schön, rechtfertigte aber nicht den hohen Preis von 25 € pro Person!

Aber so können wir wenigstens sagen, daß wir auch in Angola waren. Abends gingen wir im Restaurant Essen. In der Nacht hörte man wieder lautes Platschen am Ufer.

Sonnenuntergang am Kunene


21. Tag, So, 27.05.: Ruacana

Im Folgenden sollte es nach Ruacana gehen, und anschließend zurück nach Süden.

Die Fahrt zu den Ruacana Falls gestaltete sich recht schön. Die Landschaft war wundervoll grün, die Piste führte immer wieder am Fluß entlang und durch die Betten der zulaufenden Bäche, welche mitunter sehr schlammig waren. Hier steckenzubleiben würde sicher keinen Spaß machen, und daß es vielleicht besser gewesen wäre, den Allrad einzuschalten, merkt man erst, wenn man schon durchfährt. Dann ist es allerdings besser, nicht anzuhalten, sondern durch, solange es geht. Und es ging.

Wir hielten Ausblick nach Krokodilen am Ufer. Claudia glaubte, eines gesehen zu haben, und sofort hielt ich an und wir sprangen zu der betreffenden Stelle. Da dort keines mehr war, waren wir zunächst enttäuscht, allerdings dachten wir schnell daran, was wäre, wenn es sich nun doch irgendwo versteckt hielt und uns anspringt, so zogen wir uns ins Fahrzeug zurück und sahen wenigstens einen schönen großen Waran.

Die Ruacana-Fälle befinden sich quasi im Niemandsland. Sie sind zwar auf namibischer Seite, man hat aber schon den namibischen Grenzposten passiert und fährt unmittelbar am angolanischen Grenzposten vorbei. Der Wasserfall ist ebenfalls schön anzusehen, er ist tiefer und breiter als der Epupa Fall, aber nicht so zerklüftet und mit Bäumen bewachsen. Der Regenbogen ist allerdings ein Foto wert. Hier warteten wir auf die beiden anderen Pärchen.

Die Ruacana-Fälle an der Grenze zu Angola

Ab Ruacana ist die Straße endlich wieder geteert, nach acht Tagen Schotterpiste seit Swakopmund. (Na schön, bei Khorixas waren auch 5km geteert! Achja, und in Opuwo auch drei!)

Wir tankten wieder auf, kauften Vorräte ein und fuhren südlich, wo wir schon nach wenigen Kilometern die Teerstraße wieder verließen. Bis zum nächsten Campingplatz war es ein langes Stück, und wir mußten uns beeilen, um vor Sonnenuntergang das Ziel zu erreichen. Da die Piste recht gut war, sollte dies auch kein Problem darstellen.

Irgendwann fiel uns der Zaun auf der linken Seite der Straße auf, es war der Zaun zum Etoscha Nationalpark. Und es dauerte nicht lange, da entdeckten wir die ersten drei Giraffen. Welch ein Anblick! Leider waren die Bäume recht hoch und dicht, so daß sie nicht besonders gut zu sehen waren. Kaum sind wir ein Stück weitergefahren, schrie Claudia auf: "Elefanten! Elefanten!". Da stand einer, nicht weit vom Zaun weg. Und was für ein Exemplar! Wir beobachteten das Tier, und es beobachtete uns. Als schien es zu wissen, daß es fotografiert und gefilmt wird, begann es, alle Register zu ziehen. Es warf mit Staub um sich, streckte uns den Rüssel entgegen, kam ein paar Schritte auf uns zu, wackelte mit dem Kopf und den Ohren, und staubte sich wieder mit dem roten Sand ein. Aber es zeigte keine Spur von Aggressivität.

Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, und so fuhren wir weiter zum Campingplatz Kavita Lion Camp kurz vor Kamanjab, wo es frei lebende Löwen geben soll. Die Farm lag recht hübsch zwischen den Hügeln, und ein Bediensteter sagte uns, wir können uns auf den Platz stellen, kassiert wird morgen. Doch der Platz, der wie so oft einige Kilometer von der Farm entfernt war, war abgesperrt. Und kein Schlüssel da. Ich kletterte über den Zaun, weil man Stimmen hörte, und da waren doch schon einige Leute mit ihren Zelten, wobei einer einen Schlüssel hatte. So sperrten wir auf und fuhren rein. Zu dritt fuhren wir um eine Feuerstelle, wie die Wagenburgen in Wild West Filmen, und grillten unser Abendessen.

Nachts konnte man ganz in der Nähe Tierschritte hören, tapptapp - tapptapp, etwa wie die der Hyänen.


22. Tag, Mo, 28.05.: Der Etoscha Park, erster Tag

Heute sollten sich unsere Wege wieder trennen. Andreas und Susi wollten Richtung Westen zur Skelettküste, Erwin und Christine nach Palmwag, Claudia und ich in den Etoscha Park. Da wir nach dem Vorschlag des Beamten im Kaiserlichen Vermessungsamt zufolge keine Reservierung vorgenommen hatten, uns unterwegs aber einige Touristen erzählt haben, es sei sehr voll und es könnte sein, daß wir keinen Platz kriegen, hofften wir das Beste. Susi gab uns den Tip, möglichst spät ins Camp Okaukuejo zu fahren, damit sie einen nicht mehr raus schicken können. Denn eine Stunde vor Sonnenuntergang werden die Tore des Parks geschlossen, da Fahren in der Dunkelheit im Park verboten ist.

Wir verabschiedeten uns von allen, wissend, daß wir bald schon Erwin und Christine wieder treffen, und fuhren in den Park. Beim ersten Wasserloch verbrachten wir einige Stunden, denn wir mußten ja Zeit totschlagen. Doch es war alles andere als Zeit totschlagen. Herden von Zebras und Gnus und Giraffen begrüßten uns. Warzenschweine und Springböcke sprangen umher, und Oryxantilopen standen gemächlich in der Steppe. Wir staunten nur noch über die große Anzahl der Wildtiere.

Abends fuhren wir ins Okaukuejo Camp, hoffend, ohne Schwierigkeiten einen Platz zu bekommen. Wir merkten schnell, daß die Angst völlig unberechtigt war. Der Campingplatz war beinahe leer, wir konnten unseren Platz aussuchen. So stellten wir uns ganz in der Nähe der Erdhörnchen auf, die aus zahllosen Löchern guckten.

Nachdem wir das Zelt aufgestellt und geduscht haben, begaben wir uns zum Wasserloch, welches bei Dunkelheit beleuchtet ist. Doch auch der Magen wollte was zu sehen bekommen, und da kein Tier herumschlich, ging Claudia zum Zelt zurück, um Nudeln zu kochen. Keine fünf Minuten später raschelte es im Gebüsch, und es näherte sich ein Nashorn mit seinem Jungtier. Und die Claudia? Nicht da! Also Kamera draufhalten und filmen, damit sie daheim sieht, was sie verpaßt hat. Irgendwann hatten die Nashörner genug gesoffen und zogen sich langsam zurück. Sie waren schon fast im Dunkeln verschwunden, da kam die arme Claudia mit dem Topf Nudeln.

Aber Claudia ist eigentlich ein Glückskind. Also drehten sich die Nashörner wieder um und kamen näher. Und dann noch ein drittes. Und so genossen die Augen die Nashörner und der Magen die Nudeln.

Nachts weckte uns ein Tier, welches den Mülleimer hinter einem Busch neben dem Auto umwarf. Wahrscheinlich ein Schakal.

I knips Di au glei!

Micha als Raubtier-Dompteur


23. Tag, Di, 29.05.: Der Etoscha Park, zweiter Tag

Am nächsten Tag frühstückten wir mit den Erdhörnchen, die anfangs etwas scheu waren, dann aber immer frecher wurden und sogar Kekse aus den Fingern fraßen.

Wir besuchten noch das Webervogel-Riesennest und fuhren dann im Park umher. Die ersten Wasserlöcher waren trocken, dann sahen wir eins mit vielen Zebras, Gnus, Oryxantilopen und den allgegenwärtigen Springböcken. Weit draußen in der Salzpfanne konnte man eine Vielzahl Strauße entdecken. Wir beschlossen, mittags nicht in das Camp zurück zu fahren, da das Wasser im Pool bestimmt sehr kalt ist, sondern einfach an einem Wasserloch zu warten, um zu sehen, was da so kommt.

Das nächste Wasserloch nannte sich "Olifantsbad", und so war es auch. Eine kleine Herde von Elefanten stand um das Wasser herum, sieben an der Zahl, mit einem ganz kleinen Jungtier in der Mitte, das mal an der Zitze der einen, mal an der Zitze der anderen Kuh saugte. Ansonsten bewegten sie sich kaum, sondern standen nur ruhig da. Irgendwann setzten sie sich in Bewegung und gingen im Elefantenmarsch in die Büsche zurück. Bei diesem Anblick kam einen gleich das Dschungelbuch-Lied in den Sinn. Kaum waren die Elefanten verschwunden, kam von der anderen Seite beinahe unbemerkt eine weitere Herde mit acht Tieren. Ein freches, schon etwas größeres Jungtier betrachtete sich wohl als Herdenbewacher und vertrieb die armen wehrlosen Warzenschweine und Kudus, wobei es mal trompetete, mal den Kopf schüttelte, daß die Ohren schlackerten. Weil die Impalas sich gleich gar nicht ans Wasser trauten, begannen sie, direkt hinter dem Auto zu kämpfen.

Es dauerte nicht lange, da kam eine dritte Herde, ebenfalls acht Tiere, hinzu. Und noch ein Einzeltier, wobei es auch schon eine kleine Rangelei gab. So verbrachten wir Stunden an diesem Wasserloch, bis wir ins nächste Camp, Halali, aufbrechen mußten. Die Wasserlöcher auf dem Weg dorthin waren von Zebras, Gnus, Kudus und Giraffen besetzt, auch ein einsamer Elefantenbulle stillte seinen Durst.

In Halali errichteten wir unser Zelt und begaben uns nach dem Abendessen ans Wasserloch. Kaum waren wir dort, erschienen wieder Nashörner. Da rund um das Wasserloch etliche Pflanzen wuchsen, wanderte ein Tier um das Loch herum, um die besten Stücke aus dem Boden zu reißen, und kam dabei so nahe an die Mauer, daß man es beinahe anfassen konnte. Man hielt automatisch die Luft an. Da man selbst hinter den Scheinwerfern saß, konnte es uns nicht sehen, allerdings erschrak es, als irgend jemand etwas lauter atmete. Im Hintergrund hörte man im Camp ein Fahrzeug, so daß das Nashorn gleich eine Angriffsstellung einnahm, sich aber doch verzog. Außerdem sahen wir noch Schakale und eine Hyäne.

Während die Elefanten das Wasserloch belegen...

...müssen sich die Impalas die Zeit vertreiben.


24. Tag, Mi, 30.05.: Etoscha Park, dritter Tag

Und wieder klapperten wir Wasserlöcher ab, auf der Suche nach Löwen, denn die fehlten uns noch. Plötzlich sahen wir direkt neben der Straße einen besonders großen Elefantenbullen, der da genüßlich ein paar Äste und Zweige vor sich hinfraß. Ganz langsam näherte er sich dem Auto und wechselte schließlich gerade mal fünf Meter hinter uns die Straßenseite. Langsam und lautlos verschwand er im Gebüsch.

So nah kam uns sonst kein Viech...

Ansonsten bekamen wir die gleichen Tiere zu Gesicht wie die vorigen Tage. Von Löwen keine Spur. Die Nacht verbrachten wir im Camp Namutoni, wo Claudia ein Warzenschweinfrischling streicheln wollte, der Familienvater das aber gar nicht lustig fand, und Claudia dann auch nicht mehr. Lieb anzusehen sind auch die Schakale die hier im Camp herum rennen wie zahme scheue Hunde.

Das Wasserloch war langweilig, da es außer Vögel und Schakale nichts zu sehen gab, und es war außerdem etwas weiter weg vom Beobachtungsplatz als das in Halali.


25. Tag, Do, 31.05.: Etoscha Park, vierter Tag

Auf der Jagd nach Löwen standen wir ganz früh auf, was aber in keinster Weise belohnt wurde. Außer eine Menge Zebras, Gnus, Springböcken, Oryx, Giraffen, Dik-Diks, Impalas, Kuhantilopen, Schakale, Schildkröten, kämpfende Elefantenbullen und jeder Menge schillernder Vögel gab es nichts zu sehen. Abends trafen wir Erwin und Christine wieder, die für die heutige Nacht in Namutoni reserviert hatten, und schlemmerten uns durch das Büffet.

Was luegsch'n so?

Uaaa! Die beißt!


26. Tag, Fr, 01.06.: Etoscha, Otjiwarongo

Heute war der letzte Tag im Etoscha-Park, und so fuhren wir nochmals eine kurze Rundfahrt in der Nähe des Haupttores. Dort bekamen wir wohl die schönsten Eindrücke einer Giraffenfamilie zu sehen: drei Jungtiere, von ganz klein mit Nabelschnur bis jugendlich frech, sowie mehrere Muttertiere, die sich von uns gar nicht gestört fühlten und uns zuschauen ließen, wie ihre Kleinen das Laufen und das Bücken lernten.

Anschließend verließen wir den Park, machten einen Abstecher zum Guinas-See, einem über 100m tiefen See, der nach einem Höhleneinbruch entstand. Hier gibt es den endemischen Otjikoto-Barsch, den wir natürlich nicht sahen.

In Otjiwarongo besuchten wir nach einem Einkauf im Sparmarkt die Krokodilfarm, wo eine ganzes Rudel Nilkrokodile aufwächst.

Andreas und Susi hatten uns empfohlen, hier in der Nähe auf der Farm Hohenfels zu übernachten. Diese Farm ist sehr schön auf einer Anhöhe gelegen, man hat einen wunderbaren Blick über das Land, welches hier recht dicht bewachsen ist. Von den umliegenden Hügeln konnte man Affen hören, und hier erlebten wir den schönsten Sonnenuntergang, den wir je gesehen hatten. Die tiefrote Sonne strahlte ein so warmes Abendrot aus, welches sich beinahe über den ganzen leicht bewölkten Himmel ausbreitete, und tauchte die Umgebung in Feuerfarben. Die Pflanzen und Blumen bildeten einen schwarzen Kontrast zum glühenden Himmel. Schweigend genossen wir diese eindrucksvollen, unvergeßlichen Minuten.

Abendstimmung in Ojiwarongo


27. Tag, Sa, 02.06.: Waterberg

Heute fuhren wir nur ein kurzes Stück bis zum Waterberg Plateau Park, wo es Wasserbüffel, Breitmaulnashörner und Flußpferde geben soll. Da man dort nur an geführten Touren teilnehmen kann und wir für die Morgentour zu spät dran waren, blieben wir, um die Abendtour mitzumachen. Während wir auf diese Tour warteten, stiegen wir auf den Waterberg hinauf, von wo man einen herrlichen Blick über die Ebene hatte. Auch die lustigen Klippschliefer leben hier.

Auf der Tour sahen wir bis auf Giraffen, Elenatilopen und Säbelantilopen nichts. Dafür wurde es nach Sonnenuntergang auf der Fahrt ins Camp zurück ordentlich kalt, denn das Fahrzeug war rundum offen. Die Duschen, deren Gebäude aus Ziegeln "Made in Germany" waren, hatten schönes heißes Wasser, und so wurde es schnell wieder warm. Unsere Kohlenanzünder und Holzkohle schenkten wir einem südafrikanischen Pärchen, die sich sehr darüber gefreut haben, und wir verwickelten uns gleich in ein längeres Gespräch. Auf dem Campingplatz sprangen neben den Erdhörnchen zahlreiche Mungos herum, was darauf schließen läßt, daß es auch viele Schlangen geben muß. Gebüsch zum Verstecken wuchs um uns herum genügend.


28. Tag, So, 03.06.: Dinosaurierspuren

Die Strecke zu den Dinosaurierspuren war nicht lang, und so erreichten wir diese zur Mittagszeit. Die Spuren selbst sind nicht unbedingt als Dinosaurierspuren zu erkennen, da sie schon sehr ausgewaschen sind. Da die Farm und der einfache Campingplatz aber sehr schön gelegen sind, entschlossen wir uns, die letzte Übernachtung im Zelt hier zu verbringen. Und so bauten wir das Zelt auf, sammelten Feuerholz und wanderten ein bißchen herum, wobei wir versuchten, Eidechsen zu fangen, was fast unmöglich ist. Claudia kaufte sich ein paar schöne Steine und sägte sich die Schote eines Kameldornbusches ab. Gegen Abend entzündeten wir das Feuer, welches so schön brannte wie noch kein Grillfeuer zuvor. Still genossen wir den letzten Abend in der Wildnis und vernahmen ab und zu Affengeschrei.

Fußabdrücke von Dinosauriern

Letzte Übernachtung in der Wildnis


29. Tag, Mo, 04.06.: Windhuk

Die letzte Etappe führte uns zurück nach Windhuk, zunächst Schotterpiste, bald schon Teerstraße. Die letzten 15km waren sogar als Autobahn gebaut, wobei aber die Menschen keine Skrupel haben, mit ihren Einkaufstüten die Straßenseiten zu wechseln. In Windhuk stellten wir all unsere Sachen wieder in der Pension Moni ab und gingen noch in die Stadt. Wir besichtigten das Nationalmuseum in der Alten Feste und gaben anschließend das Fahrzeug zurück. Wegen des vorigen Fahrzeugs, mit dem wir den Unfall hatten, bekamen wir keine Probleme. Schließlich war es ja auch nicht unsere Schuld.

Wir wurden zur Pension zurückgefahren. Zuvor erinnerte uns noch der Fischer, daß wir morgen um 5 Uhr abgeholt werden.

In der Pension packten wir unsere Sachen abreisefertig, schenkten einer blinden Bettlerin, welche mit ihrem Kind in der Fußgängerzone saß, unsere Anziehsachen, welche wir nicht mehr brauchten, tauschten meine Armbanduhr gegen einen Holzelefanten und gingen nochmals fein Essen.


30. Tag, Di, 05.06.: Abreise

Früh am Morgen wurden wir wie versprochen abgeholt. Am Flughafen trafen wir wieder Erwin und Christine und kauften Likör und Tassen als Andenken. Als wir mit dem Flugzeug abhoben, überkam uns eine Trauer. Unsere Augen versprachen: "Afrika, wir kommen wieder!"